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Über meinen Nichiren-Buddhismus


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Fundstück: Heilung von Krebs durch japanischen Buddhismus

Japanischer Buddhismus soll Krebs heilen oder auch Krankheiten auslösen können. Je nachdem… Heilen kann (natürlich) nur die Praxis der SGI. In den transkribierten Vorträgen des Vizepräsidenten der SGI, Takehisa Tsuji, kann man sich diese mittelalterliche Weltsicht zu Gemüte führen.

Takehisa Tsuji hat auch gerne Menschen mal mit „schmutzigen infizierten Stofftüchern“ verglichen. In Forum Buddhaland gibt es dazu eine Diskussion, in der auf die genannten Texte auf ichinen.de verwiesen wird. Leider sind die Texte unter dem Link alle gelöscht. Anscheinend hat der Seitenbetreiber beschlossen, dass solche Ansichten nicht mehr unter seinem Namen verbreitet werden sollen.1 Da mir diese Texte vorliegen, kann ich hier das betreffende Zitat zum Besten geben. Es stammt aus einer Rede Tsujis (Warum bin ich krank, warum habe ich kein Geld…) aus dem Jahre 1991 in Nara:

Wenn Sie nicht den wahren Buddhismus praktizieren und Sie haben ein Kind, dann wird das Kind voller negativem Karma sein wie ein schmutziges infiziertes Stofftuch.

Takehisa Tsuji zeichnet auch für andere Aussagen verantwortlich. Diese Texte, die mir vorliegen, waren vor der Löschaktion ebenfalls auf ichinen.de zu lesen.

Ich halte die SGI-D nicht wirklich für gefährlich. Es halten sich einfach nur unmenschliche und unbarmherzige Ansichten, die anscheinend nicht zu reformieren sind, in dieser Gemeinschaft. Evangelikale Sekte sind in Europa weitaus gefährlicher. Und welche unmenschlichen Ausmaße die christliche organisierte Religion der katholischen Kirche annehmen kann, wissen wir in Europa nur zu gut.

Easyguard sagt es im Forum Buddhaland mit einfachen Worten:

Ich bin übrigens in Bayern katholisch aufgewachsen und habe von mit der Kirche wesentlich unschönere Erfahrungen als mit SGI. Auch hatte ich mal einen Chef, der Scientologe war. Eine sehr unangenehme Erfahrung. […] Ich halte die Anti-SGI-Debatte für völlig überzogen und hysterisch. Große anerkannte Sekten wie die katholische Kirche misshandeln über Jahrzehnte kleine Kinder und kommen so gut wie ungeschoren davon und die SGI wird geprügelt, weil sie vielleicht ein bisschen zu erfolgreich ist.

Trotzdem müssen Inhalte immer wieder überprüft und diskutiert werden. Das stellt für mich den ideellen und aufgeklärten europäischen Geist dar. Zu diesem Zweck folgt nun eine Auswahl bemerkenswerter Zitate des Vizepräsidenten der SGI, Takehisa Tsuji:

Wenn dies Nam-myoho-renge-kyo ganz tief in das Herz absorbiert wird, dann werden die Herz- oder Leberkrankheiten geheilt werden. Wenn wir unseren Bauch mit Nam-myoho-renge-kyo waschen, dann werden Magen- und Darmkrebs geheilt werden, oder wenn nam-myoho-renge-kyo im Blut absorbiert wird, wird Blutkrebs geheilt werden.

aus Die Kraft von Nam-myoho-renge-kyo

Weiter heißt es:

Wenn man Nam-myoho-renge-kyo chantet, werden wir wie Magneten. Z.B.: Wenn wir Geld brauchen, kommt das Geld; wenn wir eine Wohnung brauchen, bekommen wir eine Wohnung; wenn wir Kleidung brauchen, bekommen wir Kleidung; wenn man heiraten möchte, kommt eine dafür geeignete Person.

aus Die Kraft von Nam-myoho-renge-kyo

Und:

Wenn man mit Daimoku den ganzen Körper wäscht, wird ein Dummkopf klug. Diese Person wird dann Weisheit erlangen oder Kopfschmerzen werden sofort verschwinden oder ein Gehirntumor wird geheilt.
[…]
Man bekommt eine sehr schöne Stimme oder es wird Kehlkopfkrebs geheilt.
[…]
Wenn man seine Brust ganz tief reinigt, dann wird Lungenkrebs und Tuberkulose und Brustkrebs geheilt.
[…]
Wenn man daran fest glaubt, wird Magenkrebs geheilt.

aus Die Kraft von Nam-myoho-renge-kyo

Oder:

Sie […] sind zuckerkrank geworden, weil sie früher Zen- Buddhismus oder Shingon-Buddhismus praktiziert haben. Sie sollen als erstes sich beim Gohonson entschuldigen.

aus Die Kraft von Nam-myoho-renge-kyo

Über schlechtes Karma heißt es in einem anderen Text:

Zweitens sagte ich ihr, daß die Nieren eine der wichtigsten Organe im ganzen Körper sind und daß eine Krankheit in solch einem lebenswichtigen Organ das Ergebnis eines schlechten Karmas sein muß, das sie in ihrer Vergangenheit verursacht hat. Um ein schlechtes Karma zu ändern, ist es erforderlich, sich mit dem Chanten von Daimoku für seine vergangenen Verleumdungen des Mystischen Gesetzes aufrichtig zu entschuldigen.

aus Jeder kann ein Buddha werden

[…] aber dann erzählte man mir, daß er im März 1974 einen Schock erlitten hatte und seit dieser Zeit nicht mehr fähig war, auch nur ein Wort zu sprechen. Als ich dies hörte, sagte ich ihm sofort: „Dies ist das Resultat ihrer Verleumdung des Gesetzes in der Vergangenheit. […] Entschuldigen Sie sich vom Grunde ihres Herzens für Ihre Verleumdung des Mystischen Gesetzes, füllen Sie Ihren Geist mit Dankbarkeit zum Gohonzon und fassen Sie einen neuen Entschluß, für Kosen-rufu zu kämpfen, so wie Sie sich selbst dem Chanten des Daimoku widmen.“ Dieser Herr befolgte buchstabengetreu die Führung und am nächsten Tag fand er sich selbst fähig mit lauter Stimme NAM-MYO-HO-RENGE-KYO zu chanten.

aus Jeder kann ein Buddha werden

Schräge Ansichten… Da möchte ich mit einem Zitat von Einstein schließen:

Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.


  1. Zuerst hatten die Seitenbetreiber nur die Verlinkungen auf ihrer Webseite entfernt. Die Texte von Tsuji waren eine Weile durch eine einfache Suche bei Google zu finden. Leider bringt eine eine Google-Suche mit Zitaten nun auch kein Ergebnis mehr. 


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Der Karmagedanke und seine bestialischen Auswirkungen

Oft schäme ich mich für die Einstellungen religiöser Menschen. Ich schäme mich auch oft meiner buddhistischen Freunde. Und ganz besonders dann, wenn es um religiöse Systeme, wie zum Beispiel Karma, geht.

Dass die Menschen auf dieser Erde vielleicht doch eine kleine Chance haben (die Umwelt leider nicht, den Punkt zur Umkehr hat die Menschheit leider verpasst), denke ich immer dann, wenn ich von Menschen wie Rambhadracharya höre. Solche Menschen bewundere ich. Da kann Mutter Theresa, die in ihren veröffentlichten Aufzeichnungen ihren Gott für tot erklärt hat, einpacken. Was muss in einer desillusionierten alten Frau vorgehen, die Sterbenden, die große Schmerzen erleiden, Schmerzmittel mit der Begründung verweigert, man komme damit Jesus nahe?

Der Guru Rambhadracharya, selber blind, hat in Chitrakoot im indischen Bundestaat Uttar Pradesh eine Universität gegründet. 1100 Studenten können hier studieren: Sehbehinderte, Hörbehinderte, und Körperbehinderte. Sie studieren Musik, Gesang, Kunst, Sprachen, Geisteswissenschaften, Psychologie, Informatik und Management. Für das Sudium an der Uni werden keine Studiengebühren erhoben. Unterkunft, Essen und medizinische Versorgung sind kostenlos. 1100 Menschen von 90 Millionen Behinderten im ganzen Land. Rette einen Menschen und du rettest die ganze Welt.

Wirklich schockiert hat mich die tiefe Überzeugung der jungen Männer, dass ihre Behinderung eine Strafe für böse Taten im vergangenen Leben ist. Wie sagt Richard Dawkins?

Der Grund, weshalb organisierte Religion offene Feindschaft verdient, ist, dass Religion, anders als der Glaube an Russells Teekanne, mächtig, einflussreich und steuerbefreit ist und systematisch an Kinder weitergegeben wird, die zu jung sind, sich dagegen zu wehren. Kinder sind nicht gezwungen, ihre prägenden Jahre damit zu verbringen, verrückte Bücher über Teekannen auswendig zu lernen. Staatlich subventionierte Schulen schließen keine Kinder vom Unterricht aus, deren Eltern das falsche Aussehen der Teekanne bevorzugen. Teekannen-Gläubige steinigen keine Teekannen-Ungläubigen, Teekannen-Renegaten, Teekannen-Ketzer und Teekannen-Lästerer zu Tode. Mütter warnen ihre Söhne nicht davor, Teekannen-Schicksen zu heiraten, deren Eltern an drei Teekannen statt an eine glauben. Leute, die ihre Milch zuerst einschenken, schießen nicht jenen, die den Tee zuerst einschenken, die Kniescheiben weg.

Den fünfzigminütigen Film über die Uni im indischen Chitrakoot kannst du bei Arte anschauen:

http://www.arte.tv/de/6576534,CmC=6576530.html

Videos von Rambhadracharya gibt es bei Youtube:

http://www.youtube.com/results?search_query=Rambhadracharya


Früher Buddhismus: Das Madhyama Agama über den Arhat und die Vier Edlen Wahrheiten mit Bhikkhu Analayo

Das Madhyama Agama des Sarvastivada-Buddhismus ähnelt dem Majjhima Nikaya des Theravada. Der Sarvastivada-Buddhismus war der Wegbereiter des Mahayana und trennte sich aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über das Verständnis des Abhidhamma nach dem dritten Konzil von Pataliputta 253 v. Chr. vom heutigen Zweig des Theravada. Die Sarvastivada-Schule ging mit der islamischen Eroberung Zentralasiens und Indiens im 11. Jahrhundert unter.

Wenn du Zeit und Lust, kannst du dir grundlegende philosophische Kenntnisse über frühen Buddhismus in einem kostenlosen Online-Kurs mit Bhikkhu Analayo aneignen. Für den einmal in der Woche stattfindenden Online-Kurs „The Arahant and the Four Truths in Early Buddhist Discourse“ kannst du dich noch bis morgen beim Center for Buddhist Studies der Universität Hamburg anmelden (Link am Ende des Beitrags). Bessere Englischkenntnisse sind nötig. Auf der verlinkten Seite befindet sich weiter unten auch der Online-Kurs von 2011, „Purification, Ethics and Karma in Early Buddhist Discourse“.

Readings in the Madhyama-āgama
An e-learning online course by Bhikkhu Anālayo
Center for Buddhist Studies
University of Hamburg

The lectures aim at providing those who are relatively new to the early discourses with a first-hand understanding of early Buddhism through textual study of the primary sources. At the same time, the course should also be of interest to those who, being already well familiar with the Pāli canon, are interested in the differences and similarities between the Pāli discourses and parallel versions transmitted by other Buddhist traditions. In the present case, the parallels taken into consideration are from the Madhyama-āgama translated into Chinese towards the end of the 4th century, a collection that with considerable probability stems from a Sarvāstivāda line of transmission.

Although following the lectures requires a basic acquaintance with central ideas of Buddhism, there are no language requirements apart from a reasonable degree of fluency in English. During the course, participants will regularly need to consult the following monograph: Bhikkhu Bodhi (ed.) 2000 (first publ.): The Middle Length Discourses, Boston: Wisdom.

2012: The Arahant and the Four Truths in Early Buddhist Discourse

via Analayo Lectures, Madhyama-agama, Bhikkhu Analayo,Comparative Studies, Early Buddhism.


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Säkularer Buddhismus, Thanissaro Bhikkhu und die Reinkarnation

In meinem Beitrag „Plädoyer für einen säkularen Buddhismus ohne Reinkarnation“ stelle ich mir die Frage nach den Dingen hinter Doktrinen wie der Reinkarnation. Diese stellt für mich nur ein geschicktes Mittel, Upaya, dar. Dieses geschickte Mittel ist notwendig, wenn Menschen nicht die ethische Reife oder Größe haben, ohne die harte Drohung einer negativen Konsequenz für die eigene Person ein besseres Verhalten zu zeigen. Die Theorie von der Reinkarnation ist aber Unsinn, weil das personelle „Ich“ den Tod nicht überlebt. Selbst wenn ich buddhistischen Mythen glauben schenke, dass ein Buddha sich an seine Vorleben erinnert, ist die Lehre von der Reinkarnation Bullshit. Wenn ein Buddha sich an alle Vorleben erinnern kann, so kann ein normaler Sterblicher das nicht. Die Erinnerung an Vorleben ist nach manchen buddhistischen Mythen ein Kennzeichen des Buddha. Bin ich ein Buddha, habe ich gutes Karma angehäuft, muss mich vor negativen karmischen Konsequenzen also nicht fürchten. Bin ich kein Buddha, muss ich mich vor negativen karmischen Konsequenzen ebenfalls nicht fürchten, da sich mein neues „Ich“ nicht an meine Vorleben erinnern kann. Ein schicker Zirkelschluss. Verschieden Mahayana-Schulen haben das erkannt und verzichten wenigstens auf die Lehre einer personellen Wiedergeburt. Dort wird nur das neunte Tiefenbewusstsein, Amala, wiedergeboren.

Leider gibt es im Buddhismus des deutschsprachigen Raums nur wenige, die diesen offensichtlichen Widerspruch ansprechen und diskutieren. Der deutschsprachige Buddhismus erschöpft sich oft darin, überholte Verhaltensvorschriften zu kopieren und das Gehirn abzustellen. Aus Bequemlichkeit und Denkfaulheit wird alles an einen Meister abgegeben. Ein Meister, der viele Bücher schreibt, ist Thanissaro Bhikkhu. Er versucht in seinem Aufsatz „The Truth of Rebirth“, die Notwendigkeit und die naturgegebene Richtigkeit der Lehre von der Reinkarnation zu beweisen. Das gelingt ihm auffallend schlecht. Warum ihm das so schlecht gelingt, legt Mark Knickelbine auf dem Blog der Secular Buddhist Association dar. Auch wenn man nicht gut Englisch spricht, lohnt es sich, ein Dictionary zur Hilfe zu nehmen und die Besprechung durchzuarbeiten. Ich empfehle dict.cc.

Schön ist auch John Skrine auf Secular Buddhism UK zu lesen. Ich kann ihm nur beipflichten.

TB makes a lot of the blunt instrument of the wager as a means of keeping us on the path. Would you take a bet on being wrong, the Buddhist equivalent of risking hellfire forever? It doesn’t work for me, and even less when he reduces it to the cash nexus: ‘It’s like having money: Regardless of what you do with it—spending it, investing it, or just stashing it away—you’re making an implicit wager on how to get the best use of it now and into the future. Your investment strategy can’t stop with, “I don’t know.”’ (p. 16). That, I must confess, is where he really lost me.

Der Besprechung möchte ich nur noch Folgendes hinzufügen.

Thanissaro Bhikkhu schreibt:

Prior to awakening, you can’t know these things for sure, but as the Buddha states, if you want to gain awakening and to minimize suffering in the meantime, it’s wisest to assume these principles as working hypotheses.

Wenn die Menschheit nach dieser Maxime gehandelt hätte, gäbe es kein Rad und wir würden nicht mit Feuer kochen. Wozu sollte man Dinge kochen, wenn doch vieles auch roh geniessbar ist? Wozu sollte man das Rad benutzen, wenn man die Dinge auch durch den Dreck schleifen kann? Einer bestimmten Theorie folgend haben die Menschen in Europa eine so rasante technische Entwicklung hingelegt, weil die Menschen das Getreide mahlen mussten. Es ist ungemahlen nicht so nahrhaft wie Reis, der nicht gemahlen werden muss. Unsere technische Entwicklung beruht auf der Notwendig von technischen Erfindungen zur Nahrungsgewinnung wie der Mühle. Klar, wir hätten auch Jäger und Sammler bleiben können…

Thanissaro Bhikkhu schreibt auch:

This motivation is necessary, for while people are not innately bad, they are also not innately good . . . To develop skillful qualities, people need to see the dangers of unskillful behavior and the advantages of skillful behavior.

YouAuf diese Weise benutzt der buddhistische Mönch Thanissaro Bhikkhu mein Argument gegen die Reinkarnation als Argument für die Reinkarnation. Im Klartext sagt er genau das, was ich auch behaupte. Die Lehre der Reinkarnation ist eine Hilfe für Menschen, die ethisch nicht genug entwickelt sind oder nicht genug Intelligenz besitzen. Ihnen kann man mit einer schlechten Reinkarnation drohen und versuchen, sie damit zu einem ethisch besseren Verhalten zu motivieren.

Was denkst du? Hast du auch eine solche Drohung nötig? Musst du auch durch Angst gezwungen werden, dich ethisch korrekter zu verhalten?