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Über meinen Nichiren-Buddhismus


Die Körperhaltung beim Gongyo oder wie sitze ich?

Vitruvian Man 2.0Auch wenn Du auf einem Stuhl sitzt, solltest Du eine möglichst aufrechte Körperhaltung einnehmen. Wenn du ständig auf dem Stuhl hin und her rutschst oder die Beine übereinander schlägst, erzeugt das Nervosität und Nachlässigkeit. Sei locker, aber nicht zu lässig. Die Körperhaltung beeinflusst die Atmung und damit auch das Chanten und dein Wohlbefinden. Deine Körperhaltung hat direkte Auswirkungen auf deine Befindlichkeit, ob du willst oder nicht.

8 Tipps für das Sitzen auf einem Stuhl:

  1. Becken beim Sitzen möglichst nach vorn kippen (geht an der Kante der Sitzfläche am Besten).
  2. Brustkorb in die Höhe.
  3. Kopf senkrecht nach oben, Halswirbelsäule strecken.
  4. Tief in den Bauch atmen.
  5. Aktives Sitzen (frei mit geradem Rücken, ohne anzulehnen)
  6. Beine etwas gespreizt auf den Boden stellen (Abstand der Knie 30 cm).
  7. Immer mit geradem Rücken sitzen, nie seitlich verdreht.
  8. Schultern und Arme nicht hochziehen, sondern direkt am Brustkorb locker liegen lassen.

Natürlich muss man nicht unbedingt einen Stuhl für die Praxis benutzen. Ich persönlich halte nicht viel davon, wenn es nicht unbedingt aus medizinischen Gründen erforderlich ist. Ich sitze schon den ganzen Tag auf einem Stuhl. Da freue ich mich richtig darauf, mal auf eine andere Art und Weise sitzen zu dürfen. Folgende Sitzhaltungen sind auch möglich:

  • 1/4-Lotus (linker Fuß auf rechtem Unterschenkel und vice versa)
  • 1/2-Lotus (linker Fuß auf rechtem Oberschenkel und vice versa)
  • Voller Lotus (beide Füße auf den Oberschenkeln des anderen Beins)
  • Burmesisch (linker Fuß vor dem rechten Unterschenkel und vice versa)
  • Schneidersitz (Knie auf den Füßen)
  • Seiza (kniend ohne Hilfmittel, kniend mit Kissen, kniend mit Bänkchen)

Ich sitze in der Regel im 1/4-Lotus auf meinem Zafu, das auf einem Zabuton liegt. Wenn die Beine schmerzen oder ich mich aus anderen Gründen nicht wohl fühle, sitze ich nur Burmesisch oder im Seiza. Dabei benutze ich mein Zafu als Hilfsmittel.


Ein Kommentar

Das Lotos-Sutra ist ein Text, der heilen kann

In einem Kommentar zu meinem Artikel Buddhismuskritik und Erleuchtung wurde ich gefragt, was das Lesen der Sutras bringt.

Wer gerne Sutra lesen möchte, der soll, ob das weiter hilft ?

Meine Antwort auf diesen Teil des Kommentars fiel etwas dürftig aus. Mir fällt es schwer, meine Empfindungen beim Rezitieren des Lotos-Sutras in Worte zu fassen. Mir war unbekannt, dass das Lesen von Texten auch therapeutisch eingesetzt werden kann. Mystik aktuell beschreibt im Artikel Bibliotherapie: Worte, die heilen können die Poesietherapie. Ein lesenswerter Artikel, den ich sehr empfehlen kann.

Die Rezitation der Sutras hat ebenfalls eine aktive, dynamische Dimension. Die inhaltliche Bedeutung der Sutras hat bei der Rezitation keine allzu wesentliche Funktion. Es ist dagegen vor allem die Schulung von Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen, die der Rezitierende lernt. Das Ergebnis ist frappierend. Denn beim Rezitieren wird die tiefe innere Verbindung erkannt, die innere und äußere Welt eins werden lässt.

LotosknospenDiese Worte beschreiben ganz gut meine Art zu denken und zu fühlen, wenn ich beim Gongyo das Lotos-Sutra rezitiere. Die inhaltliche Bedeutung des Lotos-Sutras hat in der Tat keine allzu wesentliche Funktion beim Rezitieren. Durch jahrelanges Wiederholen der gleichen Textstellen weiß ich natürlich, was die Stelle, an der ich mich gerade befinde, bedeutet. Beim Gongyo rezitiere ich in japanischer Aussprache chinesische Schriftzeichen. Wichtig ist das, was dabei “am Rande” passiert.

Ich bemühe mich, in gleichbleibend rhythmischer und deutlicher Aussprache bei gleichbleibender Geschwindigkeit (nicht zu schnell) zu rezitieren. Dabei muss ich mich auch nach einigen Jahren Übung noch konzentrieren, da ich nichts von “dahingenuschelten” Rezitationen halte. Im Rahmen dieser Konzentration richtet sich meine Aufmerksamkeit auf meinen Geist und meinen Körper. Wie fühle ich mich heute? Wie nervös bin ich heute? Wie müde bin ich heute? Wie eilig habe ich es heute? Wie fühlt sich mein Körper heute? Schmerzen meine Beine (ich sitze Seiza oder 1/4 Lotossitz) heute? Wie ist meine Haltung heute? Da gibt es eine ganze Palette an Gefühlen, die ich dabei mit Aufmerksamkeit betrachten kann.

Auf diese Weise entsteht Einfühlungsvermögen für mich und meine Situation. Das führt bei mir zu genau den Reaktionen, die im Artikel beschrieben werden. Durch diese Art Selbsterkenntnis öffnen sich tatsächlich andere Lösungen und Denkweisen, die “plötzlich” in meinem Geist entstehen. Tatsächlich kann ich damit fast jede Art von Angst bewältigen und habe damit auch schon Krisen bewältigt.

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