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Über meinen Nichiren-Buddhismus


Atishas Juwelenkranz des Bodhisattva

Beschleicht der Geist der Niedergeschlagenheit dich,
dann muntere dein Herz auf
und versenke dich in die Leere beider (Empfindungen)!
Wann immer Objekte für Hass und Gier entstehen,
so betrachte sie als Trug und Täuschung!

Auszug unbekannte Übersetzung (Vers 15), Übersetzung von Alexander Berzin und Christian Dräger auf berzinarchives.com.

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Buddhismuskritik und Erleuchtung

Im buddhistischen Forum buddhaland.de und in verschiedenen Blogs und stellen sich einige Menschen die Frage, was eigentlich hinter den buddhistischen Doktrinen und Lehrinhalten steckt. Der Unbuddhist möchte zum Beispiel den Buddhismus dekonstruieren und dem Kaiser die Kleider ausziehen. Der Autor des Blogs “Säkularer Buddhismus” hinterfragt kritisches Denken im Buddhismus und möchte wissen, ob säkularer Buddhismus zu aggressiv ist. Auch ich stelle mir in meinem Text “Plädoyer für einen säkularen Buddhismus ohne Reinkarnation” die Frage nach den Dingen hinter den Doktrinen.

Was bleibt mir also vom Buddhismus, wenn ich diesen nicht nur als nette Meditationsabwechslung neben Autogenem Training, Tai Chi oder Yoga sehen will? Was bleibt mir von meiner buddhistischen Praxis, wenn ich nicht das darin sehen kann wie verschiedene Menschen im Forum buddhaland.de, die Arhats und Devas werden wollen, über ihre Wiedergeburt nachdenken oder darüber, welche Regeln sie noch befolgen könnten, um sich noch korrekter zu verhalten?

Baum

Mit Sicherheit ist eine schöne und ergiebige Art und Weise, sich mit Buddhismus zu beschäftigen, direkt in die Materie einzutauchen und die Quellen zu studieren. Auf jeden Fall bleibt mir auch das, was meine buddhistische Praxis in meinem jetzigen Leben bewirkt und bewirkt hat. Das ist eine Menge. Dazu brauche ich keinen Glauben an mystische oder metaphysische Gesetzmäßigkeiten, keine Überlegungen über das Leben nach dem Tod und anderer Dinge. Mir ist völlig egal, was mein Buddhismus in der Zukunft für die “wiedergeborenen Teile meiner Selbst” bedeutet. Falls er etwas bedeutet, um so besser.

Meine buddhistische Praxis bedeutet für mich, Sicherheit in meinem Selbst zu finden, Respekt für mich selber zu empfinden, charakterliche Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden, mein Selbstbewusstsein zu steigern und Stabilität in mir zu erzeugen. Ich erschaffe mein reines Land in meiner direkten Umgebung.

Deshalb müssen Sie rasch die Lehrsätze, die Sie in Ihrem Herzen hegen, verändern und das eine Wahre Fahrzeug annehmen, die einzig gute Lehre vom Lotus-Sutra. Wenn Sie das tun, dann wird de gesamte dreifache Welt zum Buddha-Land werden, und wie könnte ein Buddha-Land jemals untergehen? Die Regionen in den zehn Richtungen werden alle zu Schatzreichen, und wie könnte ein Schatzreich jemals Schaden nehmen? Wenn Sie in einem Land leben, das weder Untergang noch Verschlechterung kennt, weder Schaden noch Spaltung, wird Ihr Körper Frieden und Sicherheit finden, und Ihr Herz wird ruhig und sorglos sein. (1)

Und Erleuchtung? Was ist Erleuchtung? Erleuchtung ist keine mystische Explosion bei der es irgendwann mal Plopp macht und ein Lichtbündel aus der Stirn strahlt. Erleuchtung ist kein von dieser Welt losgelöster transzendentaler Zustand. Erleuchtung ist für mich genau das, was das Wort meint. Erleuchtung bedeutet, mit dem buddhistischen Licht in die dunklen Ecken meines Charakters zu leuchten und jeden Winkel hell und freundlich auszuleuchten. Erleuchtung bedeutet für mich, dass ich selbst in den allertiefsten und schwärzesten Niederungen meiner menschlichen Existenz tatsächlich Glück empfinden und gut zu anderen Menschen sein kann.

Die wahre Bedeutung des Erscheinens von Shakyamuni Buddha in dieser Welt lag in seinem Verhalten als Mensch. Wie tiefgründig dies doch ist! (2)

(1) Nichiren, Dt. Gosho, Bd. 2, S. 7 f.
(2) Nichiren, Dt. Gosho, Bd. 2, S. 215