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Über meinen Nichiren-Buddhismus

Ame ni mo makezu: Selbst dem Regen trotzen

3 Kommentare

Herbstszene

Selbst dem Regen trotzen
und dem Wind
sowohl dem Schnee als auch der Hitze des Sommers
mit einem widerstehenden gesunden Körper
Ohne Begierde
Niemals zürnend
Immer friedlich lächelnd
Täglich vier Schalen unpolierten Reis und
Miso und etwas Gemüse zu essen
Mein Möglichstes tun
Nicht an mich selbst denken
Gut hinschauen und hinhören und verstehen
und nicht vergessen
Im Schatten des Kiefernhains auf der Wiese
in einer kleinen schilfgedeckten Hütte sein
Wenn im Osten ein krankes Kind ist
hingehen und am Krankenbett wachend helfen
Wenn im Westen eine erschöpfte Mutter ist
hingehen und ihr Reisbündel schultern
Wenn im Süden ein sterbender Mensch ist
hingehen und sagen, er braucht keine Angst zu haben
Wenn im Norden ein Kampf oder ein Rechtsstreit ist
sagen, mit dem Nichtswürdigen aufzuhören
In Zeiten der Dürre Tränen vergießen
Im kalten Sommer ratlos umhergehen
Von allen Dummkopf geheißen werden
Nicht gelobt werden
Keinen Kummer verursachen
So ein Mensch
möchte ich werden

Das ist ein Gedicht (1) von Miyazawa Kenji, der am 21. September 1933 mit 37 Jahren starb. Viele seiner Werke wurden erst posthum veröffentlicht. Nach seinem Tod wurde ein kleines, schwarzes Notizbuch im Deckel seines Lieblingskoffers entdeckt. (2) Das Gedicht Ame ni mo makezu war in diesem Notizbuch inmitten des repetetiven Kopierens von Namu Myoho Renge Kyo gefunden worden. (3)

(1) Übersetzung: http://de.wikipedia.org/wiki/Ame_ni_mo_makezu
(2) http://www.kenji-world.net/english/download/works/Rain.html
(3) Die sechs schwierigen Taten: Das Lotos-Sutra verbreiten, es abschreiben, es rezitieren, es einem Menschen lehren, das Lotos-Sutra hören und nach seiner Bedeutung fragen sowie den Glauben an das Lotos-Sutra nach dem Tod des Buddhas beizubehalten. Die neun leichten Taten: Unter anderem andere Sutras als das Lotos-Sutra lehren, den Berg Sumeru quer durch das Universum schleudern oder die Milchstraße mit dem Zeh quer durch das Universum schießen.

3 thoughts on “Ame ni mo makezu: Selbst dem Regen trotzen

  1. Das ist wundervoll🙂 Kaum ein Gedicht hat mich so berührt … Ich weiß nicht, was mich davon abhält, statt meiner 40 Seiten Kursunterlagen nicht einfach meinen Meditationsschülern dieses Gedicht in die Hand zu geben und zu sagen: „So, damit ist der Kurs beendet. Viel Erfolg damit!“🙂
    Und doch weiß ich, was mich davon abhält: Dass ich eben so ein Mensch noch „WERDEN WILL“ – bis dahin werden meine Anhaftungen mich wohl weiter begleiten.
    Vielen, vielen Dank für’s Teilen.
    Gasshô und Metta
    „Phra“ Michael _/\_
    PS: Ist die Übersetzung von Dir? Ich möchte sie gern auf meinen Blog setzen, wenn ich darf

    • Ja, dieses Gedicht ist wirklich sehr berührend. Im Netz gibt es leicht unterschiedliche Übersetzungen. Das ist die Übersetzung aus der Wikipedia. Ich beherrsche die japanische Sprache nicht, hätte also nur die englische Übersetzung übersetzen können. Das fand ich unsinnig, da ich das Original nicht verstehe. Ich denke, es lohnt sich bestimmt, über das Thema des Gedichts zu meditieren. Du kannst den Text genauso verwenden wie ich. Ich hatte den Hinweis auf die Wikipedia vergessen.

  2. Vielen Dank! Hab’s gepostet. Wenn es Dir Recht ist, werde ich mal Deine Seite auf meiner als Link aufnehmen … ich finde, Du hast sehr schöne Gedankenanregungen hier🙂
    gasshô & metta
    „Phra“ Michael