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Über meinen Nichiren-Buddhismus

Verdammt, jetzt bin ich glücklich – ich wollte doch reich werden!

2 Kommentare

Vor einiger Zeit bekam ich wieder einmal eine Einladung zu einem „speziellen“ Daimoku Toso. Als Daimoku Toso wird das Chanten von Nam-Myoho-Renge-Kyo über mindestens eine Stunde bezeichnet. Oft dauert ein Daimoku Toso einen halben oder ganzen Tag. Die Einladung ging an mehrere Gruppen und sollte vorrangig nur einem Zweck dienen: Dem Chanten für ein materielles Gut, genauer gesagt, für einen der acht Winde (Gewinn, dem Glück, etwas zu bekommen).

So gerne ich das auch glauben möchte: Ich halte nichts von dieser Praxis, die bei einigen sehr beliebt zu sein scheint. Sie hat viel Ähnlichkeit mit dem Esoterik-Schwachsinn „Bestellung beim Universum“. Für mich geht es beim Buddhismus noch immer um persönliche Entwicklung und unzerstörbares Glück, das eben nicht von den acht Winden abhängig ist.

Ein wirklich weiser Mensch wird sich nicht von auch nur einem der acht Winde beeinflussen lassen: Wohlstand, Verschlechterung, Schande, Ehre, Lob, Tadel, Leiden und Freude. Er ist weder von Wohlstand berauscht, noch grämt er sich über die Verschlechterung. Die himmlischen Götter werden mit Sicherheit denjenigen beschützen, der sich nicht den acht Winden beugt.

Nichiren, Gosho “Die acht Winde”, http://www.sgilibrary.org/view.php?page=794

Die betreffenden Mitglieder der SGI-D befinden sich mit ihrer Einstellung in bester Gesellschaft. Auch für Ole Nydahl ist Wohlstand eine Folge von korrekt praktiziertem Buddhismus und für evangelikale Christen stellt Wohlstand einen tatsächlichen Beweis der Liebe Gottes dar. Auch die SGI redet ja immer wieder von einem „tatsächlichen Beweis“ der Lehre. Wirklich zum Schmunzeln ist da folgende Erhebung zur Soziologie amerikanischer Mitglieder der SGI (SGI-USA). Von saibhu stammt der witzige Kommentar „Verdammt, jetzt bin ich glücklich – ich wollte doch reich werden!“ zu diesem Thema.

Auffallend ist in der Tat der krasse Unterschied zwischen Erwartung und Ergebnis der Praxis. Bei materiellen Erwartungen ist das erzielte Ergebnis kaum erwähnenswert. Bei den Themen Wohlbefinden und Erleuchtung liegt das Ergebnis allerdings um ein Vielfaches höher als die Erwartung. Die Erklärung der Differenz zwischen Absicht und Zielerreichung lässt mich dann wieder aufatmen: Nur ein geringer Prozentsatz glaubt, dass er falsch praktiziert habe. Da meldet sich dann doch der höhere Bildungsgrad der Mitglieder der SGI-USA, der laut Erhebung höher als der amerikanische Durchschnitt ist.

Absicht beim „Chanting“ Mehrfachnennungen waren möglich in Klammer: Prozentsatz derer, die durch Chanting ein solches Ziel erreicht zu haben glauben:

  • 19% finanzieller Erfolg (5%)
  • 21% andere materielle Güter (neues Haus, Auto usw.) (1%)
  • 13% psychisches Wohlbefinden (50%)
  • 27% Gesundheit (12%)
  • 48% Berufserfolg (6%)
  • 40% bessere persönliche Beziehungen (16%)
  • 2% Erleuchtung, Glaube (12%)
  • 6% Karma, der Neue Mensch (25%)
  • 2% Weltfrieden

Die Differenz zwischen Absicht und Zielerreichung erklärt man so:

  • 23% „Die Absicht war nicht vereinbar mit dem nachhaltigen Glück, bzw. der Buddhaschaft“
  • 4% „Für Manche Absichten nützt Chanting nichts“
  • 36% „Ich muss wahrscheinlich zuerst zum Neuen Menschen werden bevor ich meine Absicht erreiche“
  • 8% „Ich habe nicht richtig praktiziert“
  • 29% andere Begründungen

via Materialien zum Neobuddhismus: Soka Gakkai in Amerika.

2 thoughts on “Verdammt, jetzt bin ich glücklich – ich wollte doch reich werden!

  1. „Auch für Ole Nydahl ist Wohlstand eine Folge von korrekt praktiziertem Buddhismus und für evangelikale Christen stellt Wohlstand einen tatsächlichen Beweis der Liebe Gottes dar.“

    Sofern wir hier von persönlichem materiellen Wohlstand reden, ist das für mich hart am Rande der Perversion der eigentlichen Botschaft, in beiden Fällen.

    • Damit ist wirklich persönlicher materieller Wohlstand gemeint. Ole Nydahl bringt das immer wieder geschickt in seinen Interviews unter. Die evangelikale Predigerin Joyce Meyer scheut sich nicht, diesen Schwachsinn vor Millionen Menschen in ihren TV-Shows zu verbreiten.