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Über meinen Nichiren-Buddhismus

Sansho shima und die Armee des Teufels des sechsten Himmels

Sansho shima

Sansho shima

The Daily Zen philosophiert darüber, warum es sinnvoll ist, einen kulturellen Eklektizismus zu pflegen. Das ist eine ausgesprochen positive Einstellung zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest, wie ich finde. In der Religion wird der Eklektizismus als Synkretismus bezeichnet. Wenn es eine Religion gibt, die sich wirklich mit Synkretismus auskennt, dann ist das der japanische Buddhismus. Nicht nur, dass er chinesischen Naturgötterglauben in den Buddhismus integriert hat (Dankbarkeit für die Shoten Zenjin, die schützenden Kräfte der Natur oder des Universums), auch der japanische Ahnenkult und seine Naturgeisterbeschwörungen fanden Platz in den verschiedenen Schulen des japanischen Buddhismus. Daher finde ich es auch nicht schlimm, diese speziellen Elemente zu entfernen, wenn sie nicht mehr von Nutzen und dem heutigen Denken vielleicht sogar abträglich sind.

Ein Konzept im japanischen Buddhismus, das zum Teil synkretistisch übernommen wurde, ist das Konzept der „drei Hindernisse und vier Teufel“, Sansho shima. Diese hindern die Menschen daran, die Buddhaschaft zu erlangen. Die „drei Hindernisse und vier Teufel“ versperren ihnen den Weg zur Erleuchtung. Um mir selber den Kopf zu waschen und den richtigen Weg zu finden, halte ich dieses Konzept für vorteilhaft. Auch Nichiren hatte dieses Konzept schon von Chih-I aus dem Tendai übernommen:

Wenn Sie sie (die Lehre des Lotos-Sutras) verbreiten, werden bestimmt Teufel erscheinen. Wenn diese nicht kämen, gäbe es keinen Weg zu wissen, daß diese die wahre Lehre ist. Ein Absatz aus demselben Band (5. Band der Maka Shikan) lautet: „Wie die Ausübung fortschreitet und das Verstehen wächst, tauchen die drei Hindernisse und vier Teufel auf, die einander darin übertreffen zu stören … Sie sollten sich weder von ihnen beeinflussen lassen noch Furcht haben. Wenn Sie ihrem Einfluß unterliegen, werden Sie auf die Pfade des Bösen geführt werden. Wenn Sie Furcht vor ihnen haben, werden Sie an der Ausübung des Wahren Buddhismus gehindert werden.“ (1)

Die drei Hindernisse sind:

  • Hindernisse der eigenen Begierde (Bonno-sho) und aus den drei Giften (Habgier, Ärger und Ignoranz),
  • Hindernisse aus dem Karma (Go-sho), entstanden durch Verletzung der ersten fünf Silas oder das Begehen der zehn schlechten Taten (2),
  • und Hindernisse durch karmische Vergeltung (Ho-sho), schmerzliche Bestrafung für Taten in den drei niederen Wegen (Hölle, Hunger und Animalität). (3)

Die vier Teufel sind:

  • On-ma hindert durch die Disharmonie der fünf Komponenten (4) (z. B. Krankheiten des Körpers und des Geistes).
  • Bonno-ma hindert durch irdische Begierden oder Illusionen, die sich aus den drei Giften ergeben (auch oberflächliches Verständnis und Zweifel am Buddhismus).
  • Shi-ma hindert durch den Tod selbst. Damit ist sowohl dem eigene als auch der Tod nahe stehender Menschen gemeint (auch die Angst vor dem Tod kann Menschen an der Richtigkeit des Buddhismus zweifeln lassen und sie an der Ausübung hindern).
  • Tenji-ma, der Teufel des sechsten Himmels, ist die gefährlichste Kraft aller negativen Kräfte. Der Teufel des sechsten Himmels stellt die fundamentale Dunkelheit dar, die im Leben selbst enthalten ist. Der „Teufel des sechsten Himmels“ benutzt die eigenen Lebenstendenzen der jeweiligen Person, um diese Menschen von der Erleuchtung abzuhalten. Diese müssen nicht unbedingt negativer Natur sein, sie können auch als himmlische Verlockung daherkommen.

Teufel sind im buddhistischen Sinne Funktionen, die einem Menschen das Leben nehmen oder an der Ausübung guter Taten hindern. Teufel heißen in anderen buddhistischen Richtungen „Mara“ und sind aus dem Hinduismus übernommen. Mara entlehnt sich wahrscheinlich aus der mythologischen Figur Yama aus der Rigveda. Yama war der erste Tote der Menschen und wohnte am äußersten Ende des himmlischen Reiches, um die Verstorbenen dort in Empfang zu nehmen. Später verlegte sich das Reich der Toten in die Unterwelt und Yama wurde zu dem teuflischen Wesen König Enma. König Enma ist im Buddhismus der „Teufel des Todes“. Auch Shiva fand synkretistisch seinen Platz im Buddhismus und wurde zum „Teufelskönig des sechsten Himmels“ oder kurz zum Teufel des sechsten Himmels. (5)

Es ließe sich jetzt noch eine lange Liste diverser dämonischer Wesen aus den verschiedenen Sutras anfügen. Da sind zum Einen die „hungrigen Geister“ (Pretas), die Toten und Totengeister, zum Anderen die übernatürlichen Dämonen wie Yasha (Yakshas) und Rasetsu (Rakshasas). Yasha und Rasetsu sind animistische Götter, die in Flüssen, Bergen und den Sternen wohnen. In China waren animistische Götter geläufig und weit verbreitet und konnten somit gut in den Buddhismus „eingebaut“ werden. In Japans damaliger animistischer Kulturlandschaft wimmelte es nur so von Wesen in Felsen, Flüssen und Seen, dass es auch für die japanische Kultur kein Problem war, die eigenen „Teufel“ mit der Übernahme des Buddhismus neu zu etikettieren und synkretistisch „einzubauen“. (6)

Ich bewerte diese „Teufel“ heute neu und versuche sie in einen modernen Kontext zu bringen. „Teufel“, besser teuflische Funktionen, sind schlechte Funktionen, die Menschen aus ihrem Inneren heraus negativ beeinflussen. Teuflische Funktionen stellen negative Prinzipien dar und können das Leben der Menschen auf machtvolle Weise in die Irre führen. Die Personifizierung dieser Kräfte als „Teufel“ hilft mir, dass ich besser und konzentrierter gegen sie arbeiten kann.

Diese Themenkomplexe können die „Armee des Teufels des 6. Himmels“ manifestieren:

  • Wünsche
  • Sorgen
  • Geistiger und physischer Hunger
  • Vergnügungssucht
  • Geistige Unbestimmtheit und Mangel an Verantwortung
  • Zweifel und Bedauern
  • Angst
  • Ärger
  • Beschäftigung mit Reichtum und Ruhm
  • Arroganz und Verachtung für Andere

(1) Nichiren, Brief an die Brüder, Dt. Gosho Bd.1 S.3, engl. http://www.sgilibrary.org/view.php?page=493, Matsudo ersetzt in seiner Übersetzung „Wahren Buddhismus“ durch „Rechten Dharma“.
(2) Mit dem Körper: töten, stehlen, lüsterne Handlungen; mit dem Mund: lügen, zweizüngig sprechen, beleidigend sprechen, sinnloses schwatzen; mit dem Geist: gierig sein, zornig und hasserfüllt sein, ignorant sein. Dieses Hindernis auf dem buddhistischen Weg wird von Nichiren als Hindernis durch Partner und Kinder gedeutet.
(3) Nichiren deutet dieses Hindernisse als Hindernis durch Vertreter weltlicher Macht und durch die Eltern, also im weitesten Sinne durch Autoritäten.
(4) Form (Körper und die fünf Sinne), Wahrnehmung (Prozess), Begriffsvermögen (Emotion, Meinung, Vorstellung), Entschluss (Wille zum Handeln), Bewusstsein.
(5) Matsudo, Nichiren, der Ausübende des Lotos-Sutra, S. 96
(6) Matsudo, Nichiren, der Ausübende des Lotos-Sutra, S. 97

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