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Über meinen Nichiren-Buddhismus

Soka Gakkai International: Cult or Culture?

7 Kommentare

„Cult or Culture“ ist eine lesenswerte Reihe von 20 Beiträgen auf dem Blog eines ehemaligen Mitglieds der Soka Gakkai International USA (SGI-USA). In den englischen Beiträgen ist zu lesen, wie die Verfasserin in langen Jahren zu ihrer eigenen Art des Denkens zurückfindet. Die Autorin hat eine humorvolle und witzige Art sich auszudrücken. Ich fand es schön zu lesen, wie dieser Mensch auf seinem spirituellen Weg voranschreitet.

FlowersBei der Auseinandersetzung mit dem Thema, ob die Soka Gakkai als Sekte zu beurteilen ist oder nicht, fällt mir auf, dass die SGI-USA noch ein anderes Kaliber zu sein scheint, als deren deutsches Pendant, die SGI-D. Ich finde es oft schon bedenklich, welche Einstellungen von Mitgliedern der SGI-D vertreten werden, die in keiner Art und Weise durch die Lehren von Nichiren belegt werden können. Einiges ist Aberglaube und deckt sich noch nicht einmal mit Lehren der SGI-D. Die SGI-USA scheint erheblich schlimmer zu sein.

Die kommunizierten Orientierungen und Einstellungen der verschieden Gruppierungen der Nichiren-Buddhisten in den USA ähneln in meinen Augen oft den Meinungen der evangelikalen Christen. Getreu dem Motto „wen Gott liebt, dem gibt er“ ist finanzieller Wohlstand eine natürliche Folge von Spenden an die Kirche und Gehorsam gegenüber freikirchlichen Regeln und Gesetzen. Auch in der Soka Gakkai wird oft die Meinung vertreten, dass finanzieller und beruflicher Erfolg eine direkte Folge der Menge des Chantens von Daimoku ist.

Diese Lehrmeinung kann ich nicht in den Schriften von Nichiren entdecken. In den Schriften von Nichiren geht es um die Erleuchtung und das wahre Glück. Es geht in den Goshos nicht um finanziellen und beruflichen Erfolg. Im Gegenteil: Diese Dinge gehören nach Nichiren zu den Acht Winden, wie in den Briefen an seine Schüler immer wieder zu lesen ist. Er ermahnt seine Schüler in der Gosho immer wieder, sich nicht von Wohlstand, Armut, Lob oder Tadel beeinflussen zu lassen. Die praktische Ausübung des Buddhismus soll nach Nichiren im Mittelpunkt des Lebens stehen.

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7 thoughts on “Soka Gakkai International: Cult or Culture?

  1. „She thinks too much“ heisst es da im letzten Satz des Blogs. Wie oft man das doch vorgeworfen bekommt. Ich wurde vor ein paar Tagen von Joachim Wetzel (iBuddhismus) zu einer Facebookgruppe eingeladen: Buddhismus und Occupy. Ich stehe Joachims Haltung skeptisch gegenüber, aber ich dachte ich mir, ich stelle meine Bedenken zurück und mache mit. Da Occupy die 99% sind, dachte ich man müsse ein Interesse daran haben zu wissen was unser Bewusstsein ausmacht (Konsumkritik usw.). Mein erstes Posting war natürlich viel zu kritisch, hat aber viel Resonanz ausgelöst (über 40 Reaktionen). Beim zweiten Posting wollte ich möglichst sachlich bleiben, was mir bis auf etwas Ironie auch gelang. Die Resonanz war minimal (2 Reaktionen). Am Morgen nach dem zweiten Posting schreibt Joachim, das sei jetzt nicht die Zeit und der Ort um große intellektuelle Debatten zu führen. Ok. Am Abend schaue ich wieder vorbei. Was sehe ich? Die oberschlaue Ken-Wilber-Dame die offensichtlich von meinem zweiten Posting (über buddhistische Erkenntnistheorie) völlig überfordert war, unterhält sich ausführlich mit einem Tibetischen Yogi aus Heidelberg über Finanzastrologie… Ich dachte mich trifft der Schlag. Der Eine will keine Intellektuellen Debatten, aber mit Astrologie beraten sie, wann die Welt untergeht. Ich hab mich dann abgemeldet. Denken ist nicht beliebt.

    Deine Geschichte erinnert mich übrigens ein wenig an meine eigene. Du sagts du kannst bestimmte Lehrmeinungen bei Nichiren nicht wieder finden. Das geht mir mit dem Tibetischen Dzogchen ähnlich. Das ‚Ur-Dzogchen‘, das seinen Höhepunkt vielleicht im 10. Jahrhundert hatte, stellt z.T. sehr radikal Rituale, Traditionen, alles Formalisierte usw. in Frage und zielt auf eine ‚reine‘ Erfahrung des Bewusstseins. Davon ist heute nichts mehr zu finden. Dzogchen ist begraben unter einem Wust von esoterischem Kitsch, daß es zum erbarmen ist.

    • “She thinks too much” und „according to them I was being controlled by devilish functions“ sind Sachen in den Beiträgen, die mich schockiert haben. Die Antwort auf ihre Frage nach der Bedeutung des Textes, der während des Gongyo rezitiert wird, fand ich auch erschreckend: “Some told me they had read it, most told me they had not but all told me it wasn’t important that I knew what the words meant, it was only important that I continue to say the words”.

      Das, was ich von Occupy kenne, finde ich ziemlich daneben. Nicht, dass ich das Ziel nicht unterstützen würde. Wir wissen alle, dass die Welt ungerecht und das politische System in Deutschland verbesserungswürdig ist und so weiter. Ich meine die Menschen, die dort anscheinend die Tonangeber sind. Ich habe viele Videos im Web gesehen, die selber (!) von den Menschen von Occupy und Assamblea erstellt wurden und einige Protokolle der Versammlungen gelesen (einige sind öffentlich auf Pastebin).

      Soviel geistiger Unfug auf einen Haufen. Ständig streiten die Teilnehmer und beleidigen sich in rassistischer oder sexistischer Weise (die Beleidigungen sind in den Protokollen nur als “Beleidigung an dieser Stelle” zitiert, der Zusammenhang ist aber ersichtlich). Am allerschlimmsten finde ich aber, dass Redner häufig total verschwurbelte Verschwörungstheorien vertreten, die antisemitisch und nazistisch eingefärbt sind. Die Occupy lässt anscheinend auch Leute auf ihre Podiumsdiskussionen, die allen Ernstes behaupten, Chemtrails würden uns am Denken hindern und Echolon hätte das Erdbeben und den Tsunami in Japan verursacht.🙄 Mit solchen Menschen möchte ich nicht in Zusammenhang gebracht werden.

      Joachim hätte nach seinem ”nicht die Zeit und der Ort um große intellektuelle Debatten zu führen” vielleicht anführen sollen, dass es aber ein Ort ist, um sein Buch zu verkaufen. Bei der Imageerzeugung für Werbung stören gewissen Elemente doch sehr…😎 Ein tibetischer Yogi aus Heidelberg mit Finanzastrologie…😆 Die Kunden dieser Pappenheimer sind meiner Meinung nach wohl auch Kunden, die Joachim als Multiplikator seines Buches nicht vergraulen darf. Anscheinend ist das Denken vieler Änhänger der Occupy-Bewegung auch durch einen “Wust von esoterischem Kitsch” beeinflusst.

  2. Immerhin unterstützt selbst Stephen Batchelor die Occupy-Bewegung – aber wer weiß, vielleicht ist das auch nur ein Publicity-Trick, um sein nächstes Buch zu promoten. Wer weiß das schon?
    😉

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