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Homophobie in Sachsen und Schwulenfeindlichkeit im Theravada-Buddhismus

Ein Kommentar

Stop HomophobieDer Wind wird rauher. In den USA dürfen sich schwule Männer in einigen Staaten nicht in der Öffentlichkeit küssen. In Russland wird ein Gesetz verabschiedet, das den Menschen und Organisationen verbietet, öffentlich über Homosexualität, Bisexualität und Transsexualität zu reden oder zu schreiben. Erste Verhaftungen finden gerade statt. (1) In vielen arabischen und afrikanischen Staaten steht auf Homosexualität die Todesstrafe. Umfragen zufolge ist die Mehrheit der Deutschen negativ gegenüber Homosexuellen eingestellt.

Es gibt noch westliche Länder (wie Rußland), von den islamischen Ländern mal ganz zu schweigen, die Farbe bekennen zu Homosexualität. Auch in Deutschland denkt die Mehrheit der Bevölkerung so, sie getraut es sich nur (noch nicht) zu sagen. (…) Leute wie Sie Herr Beck braucht das deutsche Wählervolk beim besten Willen nicht.

Nein, das ist kein Zitat eines NPD-Politikers, sondern ein Ausschnitt einer Email an Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen) von der sächsischen Stadträtin Cordula Drechsler, die für die FDP in den Stadtrat von Bad Lausick gewählt wurde. Cordula Drechsler beendete ihre Email vom 29. März 2012 mit „heterosexuellen Grüßen“. (2)

Mit Schwulenfeindlichkeit kennen sich der Dalai Lama und Ole Nydahl, der sich selber Lama nennt, auch aus. Theravada-Mönche entblöden sich ebenfalls nicht, ihre Homophobie buddhistisch zu begründen. Eine Tragödie, für die ein Theravada-Mönch aus Taiwan die Verantwortung trägt, kannst du bei Shravasti Dhammika nachlesen. Das bedauernswerte Opfer dieses Mönchs stammte aus Singapur. Dort wird Homosexualität mit zehn 10 Jahren Gefängnis, höher als für Totschlag, bestraft. Ein buddhistischer Mönch aus Taiwan, Homosexualität ist dort legal und die Diskriminierung Homosexueller durch ein Gesetz verboten, predigt einem schwulen jungen Mann aus Singapur, wo Homosexualität mit Gefängnis bestraft wird, dass dieser in der untersten Hölle wiedergeboren und dort für Äonen in Kot gekocht würde. Ein unmenschliches und niederträchtiges Verhalten!

» Schwulenfeindlichkeit im Theravada-Buddhismus: A Gay Tragedy (englisch)

Vier Tage zuvor, vielleicht nur ein paar Stunden, nachdem er mich angerufen hatte, war Julian am späten Abend in einen Park im Stadtzentrum von Singapur gegangen, hatte eine Überdosis Schlaftabletten genommen und wurde am folgenden Morgen tot aufgefunden. In seiner Kleidung fand man einen kurzen Abschiedsbrief, aber über dessen Inhalt wurden keine Angaben gemacht. Der Kummer überwältigte mich. Der Gedanke an ihn, wie er dort völlig allein gelassen dalag, voller Selbsthass und in Verzweiflung sich selbst tötete, brachte mich fast zum Weinen. Doch bald stieg Zorn in mir auf und wurde immer größer, bis er meine Traurigkeit vollständig verdrängt hatte. Ich stellte mir den taiwanesischen Mönch vor, wie er unbekümmert seine ignorante und letztendlich vergiftende Ansicht von sich gab, bevor er fort eilte, um eine Predigt über Mitgefühl zu halten oder die Verehrung der Menge entgegen zu nehmen. Ich wurde so wütend, dass ich den Entschluss fasste, ihm einen Brief zu schreiben und ihm mitzuteilen, wofür er da verantwortlich war.

Die deutsche Übersetzung des englischen Artikels von Shravasti Dhammika kannst du im Blog von Herbert Rusche lesen. Shravasti Dhammika ist auch der Autor von The Broken Buddha, Kritische Reflexionen über den Theravada und Plädoyer für einen Neuen Buddhismus (deutsch) (gibt es auch als ausführliches Buch).

In diesem Buch zeigt Shravasti Dhammika, dass Westler häufig romantische und idealisierende Vorstellungen von den buddhistischen monastischen Traditionen Asiens haben. Die Wirklichkeit ist eine ganz andere. Er beschreibt, wie das starre Festhalten an einem Regelwerk zu Doppelmoral, Missbrauch und Korruption führt. Es geht in der Folge mehr um Schein als Sein und die Praxis des Mitgefühls bleibt auf der Strecke.

(1) http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826173,00.html
(2) http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,826025,00.html

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