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Über meinen Nichiren-Buddhismus

Säkularer Buddhismus, Thanissaro Bhikkhu und die Reinkarnation

20 Kommentare

In meinem Beitrag „Plädoyer für einen säkularen Buddhismus ohne Reinkarnation“ stelle ich mir die Frage nach den Dingen hinter Doktrinen wie der Reinkarnation. Diese stellt für mich nur ein geschicktes Mittel, Upaya, dar. Dieses geschickte Mittel ist notwendig, wenn Menschen nicht die ethische Reife oder Größe haben, ohne die harte Drohung einer negativen Konsequenz für die eigene Person ein besseres Verhalten zu zeigen. Die Theorie von der Reinkarnation ist aber Unsinn, weil das personelle „Ich“ den Tod nicht überlebt. Selbst wenn ich buddhistischen Mythen glauben schenke, dass ein Buddha sich an seine Vorleben erinnert, ist die Lehre von der Reinkarnation Bullshit. Wenn ein Buddha sich an alle Vorleben erinnern kann, so kann ein normaler Sterblicher das nicht. Die Erinnerung an Vorleben ist nach manchen buddhistischen Mythen ein Kennzeichen des Buddha. Bin ich ein Buddha, habe ich gutes Karma angehäuft, muss mich vor negativen karmischen Konsequenzen also nicht fürchten. Bin ich kein Buddha, muss ich mich vor negativen karmischen Konsequenzen ebenfalls nicht fürchten, da sich mein neues „Ich“ nicht an meine Vorleben erinnern kann. Ein schicker Zirkelschluss. Verschieden Mahayana-Schulen haben das erkannt und verzichten wenigstens auf die Lehre einer personellen Wiedergeburt. Dort wird nur das neunte Tiefenbewusstsein, Amala, wiedergeboren.

Leider gibt es im Buddhismus des deutschsprachigen Raums nur wenige, die diesen offensichtlichen Widerspruch ansprechen und diskutieren. Der deutschsprachige Buddhismus erschöpft sich oft darin, überholte Verhaltensvorschriften zu kopieren und das Gehirn abzustellen. Aus Bequemlichkeit und Denkfaulheit wird alles an einen Meister abgegeben. Ein Meister, der viele Bücher schreibt, ist Thanissaro Bhikkhu. Er versucht in seinem Aufsatz „The Truth of Rebirth“, die Notwendigkeit und die naturgegebene Richtigkeit der Lehre von der Reinkarnation zu beweisen. Das gelingt ihm auffallend schlecht. Warum ihm das so schlecht gelingt, legt Mark Knickelbine auf dem Blog der Secular Buddhist Association dar. Auch wenn man nicht gut Englisch spricht, lohnt es sich, ein Dictionary zur Hilfe zu nehmen und die Besprechung durchzuarbeiten. Ich empfehle dict.cc.

Schön ist auch John Skrine auf Secular Buddhism UK zu lesen. Ich kann ihm nur beipflichten.

TB makes a lot of the blunt instrument of the wager as a means of keeping us on the path. Would you take a bet on being wrong, the Buddhist equivalent of risking hellfire forever? It doesn’t work for me, and even less when he reduces it to the cash nexus: ‘It’s like having money: Regardless of what you do with it—spending it, investing it, or just stashing it away—you’re making an implicit wager on how to get the best use of it now and into the future. Your investment strategy can’t stop with, “I don’t know.”’ (p. 16). That, I must confess, is where he really lost me.

Der Besprechung möchte ich nur noch Folgendes hinzufügen.

Thanissaro Bhikkhu schreibt:

Prior to awakening, you can’t know these things for sure, but as the Buddha states, if you want to gain awakening and to minimize suffering in the meantime, it’s wisest to assume these principles as working hypotheses.

Wenn die Menschheit nach dieser Maxime gehandelt hätte, gäbe es kein Rad und wir würden nicht mit Feuer kochen. Wozu sollte man Dinge kochen, wenn doch vieles auch roh geniessbar ist? Wozu sollte man das Rad benutzen, wenn man die Dinge auch durch den Dreck schleifen kann? Einer bestimmten Theorie folgend haben die Menschen in Europa eine so rasante technische Entwicklung hingelegt, weil die Menschen das Getreide mahlen mussten. Es ist ungemahlen nicht so nahrhaft wie Reis, der nicht gemahlen werden muss. Unsere technische Entwicklung beruht auf der Notwendig von technischen Erfindungen zur Nahrungsgewinnung wie der Mühle. Klar, wir hätten auch Jäger und Sammler bleiben können…

Thanissaro Bhikkhu schreibt auch:

This motivation is necessary, for while people are not innately bad, they are also not innately good . . . To develop skillful qualities, people need to see the dangers of unskillful behavior and the advantages of skillful behavior.

YouAuf diese Weise benutzt der buddhistische Mönch Thanissaro Bhikkhu mein Argument gegen die Reinkarnation als Argument für die Reinkarnation. Im Klartext sagt er genau das, was ich auch behaupte. Die Lehre der Reinkarnation ist eine Hilfe für Menschen, die ethisch nicht genug entwickelt sind oder nicht genug Intelligenz besitzen. Ihnen kann man mit einer schlechten Reinkarnation drohen und versuchen, sie damit zu einem ethisch besseren Verhalten zu motivieren.

Was denkst du? Hast du auch eine solche Drohung nötig? Musst du auch durch Angst gezwungen werden, dich ethisch korrekter zu verhalten?

20 thoughts on “Säkularer Buddhismus, Thanissaro Bhikkhu und die Reinkarnation

  1. Egal ob Reinkarantion oder nicht, es ist für meine _Praxis_ völlig unwichtig.
    Jeder Versuch eines Beweises oder einer Widerlegung muss genauso scheitern wie wie die vielen Gottesbeweise (oder Versuche der Widerlegung), aber auch die sind für _mein_ Gottesverständnis und meine Gottesbeziehung völlig irrelevant.
    Insofern, ob nun jemand versucht mich von der Existenz der Reinkarnation zu überzeugen oder vom Gegenteil ….

  2. Hallo Karl,

    schau mal hier (als Argumentationshilfe falls mal nötig): Punkt 2 ungefähr in der Mitte des Textes. Es gibt Dinge über die kann man begründet nachdenken und es gibt Dinge über die kann man nicht wirklich begründet nachdenken. Meistens wird von letzteren gesagt, man könne diese ‚Dinge‘ weder beweisen noch widerlegen. Und das stimmt auch. Das heisst allerdings sehr häufig, daß die betreffende Angelegenheit einfach nicht existiert. Zumindest kann man sagen, daß, zum Beispiel, die Nicht-Auffindbarkeit der Wiedergeburt etwas anderes ist als die (bisherige) Nicht-Auffindbarkeit von außerirdischem Leben.

    Viele Grüße, Matthias

  3. Egal ob Reinkarantion oder nicht, es ist für meine _Praxis_ völlig unwichtig.

    Völlig korrekt. Für meine Praxis ist das auch unwichtig. Und sollten manche Menschen die Theorie der Reinkarnation zur Erklärung des eigenen Leids benötigen, sei es drum. Menschliche Schwäche ist normal. Sollte aber die Reinkarnation zur Erklärung dienen, warum man sich besser verhalten sollte, so ist das von der Höllendrohung der Christen keinen Millimeter entfernt. In der Geschichte wurde schon viel aussortiert. Die Reinkarnation kann gerne dazu gehören. Man muss dazu sagen, die Buddhisten hinken mit der kritischen Betrachtung ihrer Schriften den Christen 200 Jahre hinterher. Wir können also gespannt sein, was noch passiert. Allerdings sehen wir ja, was mit der katholischen Kirche trotz freiheitlicher Aufklärung los ist…:mrgreen:

    Der Artikel von Matthias ist wirklich gut. Der Dalai Lama macht einen Kardinalfehler in seiner Argumentation, den ein Mensch der Aufklärung nicht übergehen kann und darf.

    Obwohl die Wissenschaft bisher nicht zweifelsfrei nachweisen konnte, dass Wesen wiedergeboren werden, bedeutet das noch lange nicht, dass es nicht doch so sein könnte. Zwar hat die Wissenschaft bisher noch keine Leben außerhalb unseres Planeten entdeckt, doch beweist das noch lange nicht die Nichtexistenz anderer Lebewesen im Kosmos.

    Zitiert nach Dalai Lama; Die Welt in einem einzigen Atom; S. 45 f. bei Der Unbuddhist

    Solche Äußerungen kann man natürlich von sich geben. Aber ich kann Menschen nach Äußerungen, die unsere aufgeklärte europäische Kultur herabsetzen, auch nicht mehr wirklich ernst nehmen. Kennt der Dalai Lama Bertrand Russell nicht?

    Wenn ich behaupten würde, dass es zwischen Erde und Mars eine Teekanne aus Porzellan gäbe, welche auf einer elliptischen Bahn um die Sonne kreise, so würde niemand meine Behauptung widerlegen können, vorausgesetzt, ich würde vorsichtshalber hinzufügen, dass diese Kanne zu klein sei, um selbst von unseren leistungsfähigsten Teleskopen entdeckt werden zu können.

    Bertrand Russell, zitiert nach Wikipedia.

    Heute wird anscheinend gerne vergessen, dass für unsere Mündigkeit und Denkfreiheit viele Menschen gestorben sind. Gerne wird auch vergessen, dass die diese buddhistischen Lehren aus Ländern mit unglaublich hohem Analphabetentum kommen. Dort fand nie eine Aufklärung statt. Könnte die Masse der Menschen dort lesen, würde der Buddhismus sehr schnell sein Gesicht verändern.

  4. Dass die Argumentation des Dalai Lama in diesem Falle ziemlich daneben ist, steht außer Frage.
    Die Frage, die sich mir stellt, ist, ob es sinnvoll ist, ein Konzept wie die Reinkarnation oder auch irgendein anderes jenseitiges Konzept oder auch meinetwegen die Hölle, das Fegefeuer oder was auch immer als solches in Frage zu stellen, wenn es doch in erster Linie darum geht zu welchem Zweck es in bestimmten Kontexten ge- bzw. missbraucht wird, um bei Menschen bestimmte Dinge zu erreichen.
    Wie gesagt _für mich und meine spirituelle Praxis_ ist das Konzept der Reinkarnation bedeutungslos, genauso bedeutungslos wie das einer Hölle oder eines Paradieses. Deshalb muss ich mich auch nicht damit beschäftigen, ob ich diese Dinge prinzipiell für möglich halte oder nicht. Ihre Verwendung zur Disziplinierung von Gläubigen/Anhängern allerdings lehne ich natürlich in jedem Falle kategorisch ab.
    Dazu muss ich aber weder diese Konzepte an sich als unrichtig oder unwahr ablehnen noch sie als wahr und unumstößlich verteidigen. Wenn ich mich dann also damit beschäftige, dann eben in dem Sinne, dass ich überprüfe und mich ggf. dagegen wende, ob sie im obigen Sinne für Zwecke gebraucht werden, mit denen ich nicht einverstanden bin.
    Insofern stimme ich gern damit überein, dass die (Versuche zur) Disziplinierung der Gläubigen mit dem Konzept der Reinkarnation sicher auch nicht besser, bzw. genauso verwerflich ist, wie es die Höllendrohung der christlichen Kirche(n) war und noch ist, denn trotz aller Aufklärung findet die ja auch heute noch z.B. auch aber nicht nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten in geradezu grotesker Art und Weise statt, obwohl dort die Analphabethenquote sicher niedriger ist als in vielen überwiegend buddhistischen Ländern😉

  5. Finde es persönlich schade, daß Du gerade die Reinkarnation im Buddhismus ablehnst, denn für mich ist das genau der Gedanke, den ich so toll finde, da ich meine, daß es ein unendliches Bewusstsein gibt und alle „Vorleben“ (obwohl sie in irgendeiner Form gleichzeitg stattfinden, wenn es Zeit nicht gibt) gespeichert sind, auch wenn man sich daran nciht erinnern könnte. Dass die Erinnerung beim Neueintritt in ein Leben gelöscht ist, scheint mir logisch, sonst bräuchte man ja kein neues Leben beginnen, wenn man mit all den Sorgen und Ängste (aber auch Freuden und positiven Erfahrungen) belastet auf die Welt kommen würde.
    Versuche mich in meinem Blog http://neuespiritualitaet.wordpress.com auch mit dem Thema zu befassen.

    • @Violet
      Warum findest du gerade den Buddhismus aufgrund seiner Lehre von der Reinkarnation so toll? Das bieten andere Lehren doch auch. Die Lehre von der Reinkarnation ist im Hinduismus sehr zentral.

      Dass die Erinnerung beim Neueintritt in ein Leben gelöscht ist, scheint mir logisch, sonst bräuchte man ja kein neues Leben beginnen, wenn man mit all den Sorgen und Ängste (aber auch Freuden und positiven Erfahrungen) belastet auf die Welt kommen würde.

      Gerade das zeigt doch, dass die Lehre von der Reinkarnation für die buddhistische Praxis nicht wirklich von Belang ist. Dein „Ich“ erinnert sich ja sowieso nicht an deine Vorleben (siehe meine anderen Beiträge zum Thema hier und hier). Im Buddhismus geht es nach meiner Auffassung darum, was der Buddhimus im jetzigen Leben für den Menschen und seine Umgebung bewirkt und nicht um das, was der Mensch toll findet oder denkt.

  6. Hallo,

    so wie ich das mit der Wiedergeburt bis jetzt verstanden habe, hat es wenig relevanz ob man sich an seine Vorleben erinnern kann oder nicht. Untrennbar von den Belehrungen zu Ursache und Wirkung (Karma) sind die buddhistischen Belehrungen zur Wiedergeburt auch nicht mit den Hinduistischen vergelichbar, da dort der Begriff des Karmas wie ein unabänderliches Schicksal verstanden wird, und somit auch das hinduistische Konzept der Wiedergeburt (trotz gleichem Namens😉 nicht wirklich vergleichbar ist.

    Was ich sehr spannend an deinem Artikel finde, ist, wie du ohne Wiedergeburt erklären möchtest, warum manche Menschen in Afrika und andere in der Schweiz geboren werden? Warum manche Menschen in einer liebevollen Familie und andere in einer eher unfreundlichen Famile geboren werden? Warum manche Menschen, selbst schon als Kind, die Tendenz zu eher negativen Handlungen und andere die Tendenz zu eher positiven handlungen haben? Warum sich manche Menschen zum Buddhismus hingezogen fühlen und andere zu beispielsweise stark monotesitischen Friedensreligionen aus dem nahen Osten?

    Zufall? Die Gesellschaft? Prägung in der Kindheit? Oder doch der richtende und bestimmende Schöpfergott mit einen hoffentlich guten Sinn für Humor?

    Die Wiedergeburt des Buddhismus lässt sich eher schlecht ohne das Konzept von Ursache und Wirkung (Karma) erklären. Und wenn man Karma mit ins Boot holt, macht plötzlich auch die Wiedergeburt absolut Sinn. Nicht als Höllendrohung oder Angstmacher, sondern als logisches und nachvolziehbares Resultat der eigenen Handlungen.

    Liebe Grüße
    Andreas

    • Was ich sehr spannend an deinem Artikel finde, ist, wie du ohne Wiedergeburt erklären möchtest, warum manche Menschen in Afrika und andere in der Schweiz geboren werden? Warum manche Menschen in einer liebevollen Familie und andere in einer eher unfreundlichen Famile geboren werden?

      Da muss ich mir nicht viel erklären. Da ich nicht an Wiedergeburt glaube, wird in Afrika auch niemand wiedergeboren, sondern in Afrika (oder in der Schweiz) entsteht ein neues menschliches Leben. Wo das neue Leben entsteht, wird von physikalischen Gesetzmäßigkeiten bestimmt, von denen der Zufall nur ein Element ist.

      Warum manche Menschen, selbst schon als Kind, die Tendenz zu eher negativen Handlungen und andere die Tendenz zu eher positiven handlungen haben? Warum sich manche Menschen zum Buddhismus hingezogen fühlen und andere zu beispielsweise stark monotesitischen Friedensreligionen aus dem nahen Osten?

      Ich denke, dass die genetische Disposition (keine Festlegung), die pränatale Prägung, die Prägung in der Kindheit, die Wirkung der Gesellschaft und die Bildung eine entscheidende Rolle spielen.

      Die Wiedergeburt des Buddhismus lässt sich eher schlecht ohne das Konzept von Ursache und Wirkung (Karma) erklären. Und wenn man Karma mit ins Boot holt, macht plötzlich auch die Wiedergeburt absolut Sinn. Nicht als Höllendrohung oder Angstmacher, sondern als logisches und nachvolziehbares Resultat der eigenen Handlungen.

      Genau. Aus diesem Grund kann das herkömmliche Konzept von Karma, das sich über mehrere Leben erstreckt, auch schlecht akzeptieren.

      In allem einen Sinn zu sehen, ist dem Menschen genetisch “eingebaut”. Dabei ist völlig egal, ob tatsächlich ein Sinn vorhanden ist oder nicht. Die Zellen unseres Gehirns sind so verschaltet, dass sie in jedem Chaos einen Sinn (Muster) erkennen. Das war (und ist) für die Spezies Mensch überlebenswichtig. Du kennst sicher die Beispiele, die aus dem Bereich der Optik stammen.

      Der Mensch fühlt sich hilflos und klein beim Anblick vom großen sinnlosen Tanz des Lebens im Kosmos. Das kann er nur ertragen, wenn er einen (seinen eigenen) Sinn in diesen Dingen herstellt.

  7. Pingback: Richard Dawkins über Atheismus und Religion | imyohorengekyo

  8. Eine kurze Bemerkung zu dem Thema Wiedergeburt und Karma. Um bei der Beantwortung solcher Fragen, warum manche z.B. in Afrika (wieder)geboren werden, Antworten zu bekommen, die einen wirklich die Welt besser verstehen lassen, ist es (meistens) wichtig sich an das Prinzip der ontologischen Sparsamkeit zu halten. Hört sich schwierig an, ist es aber nicht. Mein Nachbar erzählt mir beispielsweise allen Ernstes, seine Frau hätte magische Kräfte und schwebe beim arbeiten in der Küche immer einige Zentimeter über dem Boden. Wie kann man sich das erklären? Die ontologisch sparsame Erklärung ist, daß mein Nachbar ein wenig durchgeknallt ist – und nicht eine Theorie darüber, wie mittels magischer Kräfte die Schwerkraft überwunden werden könnte. Ontologisch sparsam heisst, man entwirft möglichst wenig Sachverhalte die unwahrscheinlich sind, wenn man eine Theorie aufbaut.

    Die Frage nach den Menschen in Afrika, lässt sich ähnlich behandeln. Dabei kommt noch hinzu, daß ich darauf achten muss, nicht etwa das in Frage stehende Merkmal zur Voraussetzung der Antwort zu machen. Sonst gerate ich in eine Zirkelschluss, der immer nur das erklärt was er voraussetzt. Manchmal muss man die Frage anders stellen. Nicht warum werden Menschen in einem armen Land geboren, sondern warum ist Afrika so arm? Letzteres nämlich lässt sich ziemlich einfach aus der Geschichte der letzten paarhundert Jahre erklären. Afrika wurde und wird gnadenlos ausgebeutet und Menschen die dort geboren werden, haben einfach das ziemlich grosse Pech in einem von christlicher Nächstenlieb schwer gezeichneten Land leben zu müssen.

    Wenn man das aber mit Karma erklären will, dann man macht man die Opfer womöglich auch noch zu den Verursachern ihres Unglücks. Das extremste Beispiel ist die Shoa. Es gibt brave Buddhisten die nicht davor zurück schrecken, zu behaupten das die Gaskammer die Schuld der Juden sei. Das ist mir erst kürzlich in einem Forum der tibetischen ‚Sangha‘ in Hamburg begegnet.

    • Wie schön! Ich benutze auch immer Ockhams Rasiermesser…😎

      Von mehreren möglichen Erklärungen ein und desselben Sachverhalts ziehe ich die einfachste Theorie den anderen vor. Eine einfache Theorie enthält wenig Variablen, die in einer Beziehungen zueinander stehen, aus denen der zu erklärende Sachverhalt logisch folgt.

      Es gibt brave Buddhisten die nicht davor zurück schrecken, zu behaupten das die Gaskammer die Schuld der Juden sei.

      Ganz üble Sache. Ich habe in buddhistischen Foren auch schon solche Diskussionen gesichtet. Aus buddhistischen Foren halte ich mich jetzt raus. Da sind ganz komische Leute. Die Menschen in diesen Foren sind mir gar nicht geheuer.

  9. Hey, das ist ja richtig spannend mit euch!

    Das Prinzip der ontologischen Sparsamkeit erscheint mir sehr vorteilhaft, jedoch sollte man aus meiner Sicht unbedingt darauf achten, das die resultierende Theorie auch tatsächlich nicht im Wiederspruch zu realen Begebenheiten steht. Findet sich ein Gegenbeispiel ist das ganze theoretische Gerüst, trotz seiner bestechenden Einfachheit hinfällig.

    @imyohorengekyo:
    „entsteht ein neues menschliches Leben…“

    Ich gebe zu diese Sichtweise ist ziemlich verbreitet in westlichen Gesellschaften, ist aber längst nicht mehr so unangefochten wie noch vor einigen Jahren. Lassen wir mal die buddhistischen Erklärungen beiseite und schauen auf das, was unsere Wissenschaft bereits geliefert hat. Wenn ich mich nicht täusche, wird nach wie vor versucht, herauszufinden, wie das Gehirn eigentlich funktioniert. Man hat viel Bereiche gefunden, die unterschiedlich aktiviert werden, bei bestimmten körperlichen und geistigen Handlungen, jedoch nach wie vor keinen Ort für das „Bewusstsein“ des Menschen finden können. Darüber hinaus kann ich sehr dieses Buch empfehelen: amazon.de/Endloses-Bewusstsein-medizinische-Fakten-Nahtoderfahrung/dp/3491360226 Es belegt mit naturwissenschaftlichen Methoden, das es zu klaren, eindeutigen und erinnerbaren Bewussteseinserfahrungen wärend des Hirntods gekommen ist. Der Schluss, das das Bewusstsein nicht vom körperlichen Organ des Gehirns produziert wird, sondern eher als Empfänger und Umformer dient, liegt nahe. Über den Beginn des Lebens habe ich leider keine Wissenschaftlichen Fakten, aber dennoch steht das Fragezeichen zeimlich deutlich am Ende.

    Dazu kommen noch die Menschen, die sich tatsächlich an frühere Leben erinnern können, aber da ich hier nur Buddhistische Lehrer mit dieser Fähigkeit kenne jedoch keine belastbaren Studien, wird euch das sicherlich nicht wissenschaftlich und rational genug sein.

    „Ich denke, dass die genetische Disposition (keine Festlegung), die pränatale Prägung, die Prägung in der Kindheit, die Wirkung der Gesellschaft und die Bildung eine entscheidende Rolle spielen.“

    Warum kommt es dann vor, das selbst Zwillinge mitunter völlig unterschiedliche interessen und Ansichten haben? Hast du wirklich das Gefühl, das du den Einflüssen der Gesellschaft völlig ausgeliefert bist? Das wäre wohl der Punkt, an dem es auch bei Zwillingen Unterschiede gibt. Ich für meinen Teil erlebe die Welt so, dass ich bewusst Informationen bewerten und Entscheidungen immer aus einer Menge von Möglichkeiten auswählen kann. Ich denke bei euch ist das genau so.

    @Matthias

    Bei dir finde ich den Punkt mit den Afrikanern toll:

    „Nicht warum werden Menschen in einem armen Land geboren, sondern warum ist Afrika so arm?“

    Da gebe ich dir absolut recht, das ist voll auf den Punkt gebracht! Die Erklärung dass Afrikaner keine Chance haben, weil sie eh schon immer ausgebeutet wurden, empfinde ich jedoch als als ziemliche Herabwürdigung der Afrikaner. Sicherlich meinst du es nicht so, aber ich finde in diesem oft gehörten Satz schwingt immer mit: „Afrikaner sind wie unmündige Kinder, die den bösen äußeren Kräften hoffnung- und willenlos ausgeliefert sind.“ Ich bin überzeugt, jeder Mensch kann seine Zukunft in gewissen Grenzen selbst beeinflussen, warum sollten die Afrikaner eine Ausnahme sein und plötzlich keierlei Verantwortung für ihre Situation übernehmen müssen?

    Das es diese Grenzen gibt (Jeder wird auf jeden Fall sterben, viele Afrikaner stehen tatsächlich schlechter da als viele Europäer, Frauen sind in vielen Ländern tatsächlich benachteiligt, etc…) die unsere Möglichkeiten zur Lebensgestaltung einschränken stellt sicherlich niemand in Frage, der in die Welt schaut.

    Geht man nun davon aus, das es nur ein Leben gibt und der menschliche Geist aus dem wie auch immer geartetetn „Nichts“ erscheint und im „Nichts“ verschwindet, mögen einem die unterschiedlichen Bedingungen, in denen menschliches Leben auftritt mit ihrem unterschiedlichen Grad an Freunden und Leiden nicht besoders relevant oder merkwürdig erscheinen. Schreibt man dies alles jedoch nicht dem Zufall zu (Autos fahren ja auch nicht einfach zufällig) gehen schnell die konventionellen Erklärungsmöglichkeiten aus. Wiedergeburt ist hier das logischste, dass mir bis jetzt begegnet ist und Karma nicht eine Schuldzuweisung, sondern der Schlüssel zur Freiheit. Wenn ich weiß, welche Ursachen zu welchen resultierenden Lebenssituationen führt, kann ich durch bewusste Handlungen mein Leben selber in eine glückbringende Richtung lenken, ohne auf einen „glücklichen Zufall“ oder einen göttlichen Eingriff zu warten.

    Verzeit bitte, dass meine Form nicht ganz übersichtlich ist, da ich nicht herausgefunden habe, wie man hier die zitierte Einrückung hin bekommt.

    Liebe Grüße und viel Glück!
    Andreas

    • Zitate kriegst du bei WordPress mit dem HTML-Tag

      <blockquote>Text</blockquote>

      hin.

      entsteht ein neues menschliches Leben…

      Ich gebe zu diese Sichtweise ist ziemlich verbreitet in westlichen Gesellschaften, ist aber längst nicht mehr so unangefochten wie noch vor einigen Jahren.

      Wäre es unangefochten, würde ich mir so meine Gedanken machen. Alles, was nicht kritisiert wird, kann nicht richtig und wahr sein. Die Wahrheit ergibt sich in meinen Augen aus Auseinandersetzung und Dialog.

      Man hat viel Bereiche gefunden, die unterschiedlich aktiviert werden, bei bestimmten körperlichen und geistigen Handlungen, jedoch nach wie vor keinen Ort für das “Bewusstsein” des Menschen finden können. Darüber hinaus kann ich sehr dieses Buch empfehelen: amazon.de/Endloses-Bewusstsein-medizinische-Fakten-Nahtoderfahrung

      Natürlich kann es zu eindeutigen und erinnerbaren Bewusstseinserfahrungen kommen. Aber: Ob jemand wirklich tot ist, wenn unsere Messgeräte eine Nulllinie zeigen, ist da die näherliegende Frage (Okhams Rasiermesser). Oder besser: Was bedeutet Tod und wann ist jemand wirklich tot?

      Übrigens ist das Buch von Pim van Lommel und Bärbel Jänicke schon sehr alt. Die Erstausgabe war 2001. Ein Buch aus dem Jahr 2001 ist in der Gehirnforschung nicht eine halbe Ewigkeit alt, sondern eine ganze Ewigkeit. Viele Informationen in diesem Buch sind inzwischen veraltet und auch schlicht falsch. Nahtoderlebnisse, wie in dem Buch beschrieben, lassen sich heute sehr gut im Labor erzeugen. Eine Methode ist Schwerkraft. Unter starker Schwerkraft (in einem Beschleuniger, das sind die Dinger, die sich so schnell drehen) kommen ähnliche Erlebnissse zu Stande. Spezielle Piloten, die darauf trainiert sind bei starker Schwerkraft nicht das Bewusstsein zu verlieren, haben sogar außerkörperliche (!) Wahrnehmungen. Auch mit starken elektromagnetischen Feldern, die auf das Gehirn wirken, lassen sich solche Erlebnisse und religiöse Gefühle erzeugen.

      “Das” Bewusstsein des Menschen ist heute schon viel besser erforscht. Es gilt als ziemlich erwiesen, dass ein Mensch nicht nur “ein” Bewusstsein hat, sondern verschiedene “Bewusstseine”, die zu verschiedenen Zwecken eingesetzt werden. Spontan fällt mir da das Zeitbewusstsein ein (zur Verortung im Zeitstrahl), das Ortsbewusstsein (zur Verortung im Raum) und das Erlebnisbewusstsein (“ich” bin es, der diese Erlebnisse hat). Das Sehbewusstsein ist auch ein eigenständiges Bewusstsein, dass ein riesiges Gebiet im Neocortex belegt. Der Mensch hat so 6 bis 7 verschiedene, getrennte “Bewusstseine”. Das weiß die Wissenschaft so genau, weil diese “Bewusstseine” getrennt von einander ausfallen können. Das führt zu witzigen und manchmal gruseligen Störungen. Das sind alles Erkenntnisse aus den letzten 10 Jahren. Die unterschiedlichen Behausungen im Hirm können mittlerweile sogar zum Teil sichtbar gemacht werden. Zumindest diese wissenschaftliche Theorie der verschiedenen „Bewusstseine“ würde die Theorie von den 9 Bewusstseinsschichten des Mahayana-Buddhismus (6 Schichten, wie Hören, Sehen, etc. + 7. Mana, 8. Alaya und 9. Amala, Amala ist das gemeinsames Bewusstsein aller Menschen, Alaya wird als einzelnes, nicht personelles Karmabewusstsein wiedergeboren) untermauern.

      Dazu kommen noch die Menschen, die sich tatsächlich an frühere Leben erinnern können,

      Ja, die waren immer Kleopatra, Napoleon, Abraham Lincoln oder der russische Zar. Niemand war Karl Arsch, der Latrinenreiniger aus dem mittelalterlichen Nürnberg. Ist für einen Bestseller wohl zu unspektakulär.

      Ich denke, dass die genetische Disposition (keine Festlegung), die pränatale Prägung, die Prägung in der Kindheit, die Wirkung der Gesellschaft und die Bildung eine entscheidende Rolle spielen.

      Warum kommt es dann vor, das selbst Zwillinge mitunter völlig unterschiedliche interessen und Ansichten haben?

      Die Frage habe ich nicht zu beantworten. Ich bin kein Wissenschaftler und nicht einmal besonders intelligent. Hättest du mich vor 2300 Jahren gefragt, warum Schiffe hinter dem Horzont verschwinden, hätte ich keine Antwort darauf gehabt. Eratosthenes hat es gewusst. Er hat es einfach mit seinen Verstand herausgefunden. Im europäischen Mttelalter hatte man wieder Angst, vom Rand der Scheibe zu fallen. Vom Berg Sumeru in der buddhistischen Kosmologie will ich erst gar nicht anfangen.

      Ich für meinen Teil erlebe die Welt so, dass ich bewusst Informationen bewerten und Entscheidungen immer aus einer Menge von Möglichkeiten auswählen kann.

      Das ist doch toll. Das Gefühl habe ich auch. Da macht unser “Ober”-superduper-koordinations-Bewusstsein einen guten Job. Kennst du das Libet-Experiment? Das ist das Experiment mit dem roten Punkt auf der Scheibe. Nicht, dass ich die Ergebnisse uneingeschränkt akzeptiere. Aber das Experiment ist in meinen Augen eines der interessantesten Experimente der Wissenschaft.

      Zum Thema Bewusstsein, und wie viele “Bewusstseine” du beherbergen könntest, empfehle ich dir Richard David Precht “Wer bin ich und wenn ja, wie viele?” Dort sind auch neuere Erkenntnisse aus der Hirnforschung eingearbeitet. Zugegeben: Die Geschichte einer Pam Reynolds ist damit nicht zu erklären. Aber ich bitte zu bedenken, dass sie nur von einem (!) Menschen, Michael B. Sabom, beschrieben wurde. In 500 Jahren (allerspätestens :cool:) wird die Wissenschaft das klären können.

      Wenn du vor 500 Jahren was von kleinen Informationen in den Zellen erzählt hättest, hätte keiner was verstanden und du wärst auf dem Scheiterhaufen gelandet. Galileo Galilei wurde erst im Jahr 1992 durch den Vatikan rehabilitiert. Irre, was?

    • Nach der 16. Minute wird dieses Interview interessant. Wolf Singer ist einer der neurophysiologischen Forscher, die den freien Willen anzweifeln. Eine These, die viele Kontroversen auslöst. Er spricht in diesem Interview von Experimenten, bei denen nachzuweisen ist, dass eine Entscheidung messbar fünf Sekunden (!) vor der Bewusstwerdung dieser Entscheidung eintritt.

      • Super spannend! Von diesen Experimenten habe ich auch schon gehört, wobei ich jedoch nicht nur die materialistische Erklärung als einleuchtend sehe. Nehmen wir das Beispiel des Radios:

        Man hört Musik, man kann es untersuchen und wird alle möglichen Arten von elektrischen Strömungen und anderen Schwingungen finden, die im Gerät räumlich getrennt und absolut logisch ablaufen. Analog zum Standpunkt von Herr Singer würde man also schließen, dass das Radioprogramm im Radioapparat erzeugt wird.

        Das hier Ursache und Wirkung im bereits früher erwähnten Zirkelschluss vertauscht worden sind, wissen wir natürlich. Das Radioprogramm kommt vom Radiosender und wird durch das Gerät nur umgeformt.

        Zu behaupten, messbare Effekte im Gehirn, sind ein Beweis für eine Produktion des Bewusstsein vom Gehirn ist in meinen Augen ähnlich schlüssig. Einen Wechselwirkung beweist es auf jeden Fall, alles andere sind Vermutungen, die in der einen Sichtweise logisch scheinen, in der anderen nicht.

        Richtig toll und sehr Scharfsinnig finde ich die Aussage am Anfang des Interviews (ca. Minute 3): „Wir hätten sonst große Probleme zu erklären, wie etwas mentales, geistiges, immaterielles mit den materiellen Prozessen im Gehirn wechselwirkt.“

        Das deckt sich mit allem, was ich bis jetzt über den Buddhismus gelernt habe, wobei jedoch die Schlussfolgerung eine andere ist. Während Herr Singer daraus folgert, dass dann auch der Geist oder das Bewustsein materiell sein muss (also zumindest ein Energieaustausch zwischen den beiden stattfindet) macht Buddha genau die andere Richtung. Sicherlich kennt ihr die buddhistische Sicht auf die Welt: Materie und Geist sind nicht unterschiedlich.

        An der Stelle würde ich gerne die aktuelle Quantenphysik in die Diskusion einbringen: Nach wie vor haben die Wissenschaftler kein Teilchen gefunden, das reale Materie hätte. Mit dem Higgs Bosom (Das nach wie vor 100% theoretisch ist) sprechen sie, so wie ich es verstanden habe mittlerweile eher von Feldern, das unterschiedlichen Einfluss auf unterschiedliche Teilchen haben. Langsame Teilchen werden dann als Masse erfahren und schnelle als masselos (wie die Photonen).

        Es ist möglich, das wir uns von der „wirklich“ und materiell existenten Welt irgendwann auch wissenschaftlich verabschieden müssen. Natürlich lässt und das mit der Frage im Raum stehen, warum wir die Welt trotzdem als so wirklich erleben, aber dennoch nichts festes und dauerhaftes finden können.

        Übrigens ist das Buch von Pim van Lommel und Bärbel Jänicke schon sehr alt. Die Erstausgabe war 2001.

        Das kann ich leider nicht nachvollziehen. Bei mir im Schrank steht die Version von 2011 mit Erstausgabe 2009. Bärbel Jänicke ist auch die Übersetzerin, keine Autorin.

        Zwei Punkte sehe ich zu deinen Anmerkungen, die sich auch mit Beschleunigern und Magnetfeldern nicht ohne weiteres erklären lassen:

        1. Werden die Erfahrungen bei Nahtoderlebnissen (ohne messbare Hirnaktivität) als sehr Intensiv erlebt. Alle Intensiven Erlebnisse unter Laborbedingungen sind mit sehr starken Kurven und deutlich messbaren Ausschlägen verbunden. Ich kenne keien Studien dazu, jedoch gehe ich mal davon aus, dass auch bei Experiementen in Beschleunigern und unter der Einwirkung von Magnetfeldern durchaus Hirnströme messbar sind. Wie ist der Unterschied zu erklären? Wenn neuronale Prozesse die Ursache von Bewusstseinserfahrungen und Entscheidungen sind, müssten ja auch die aktivitäten in den spezifischen Hirnarealen bei durchaus vergleichbar zu nennenden Erlebnissen zumindest ähnlich sein.

        2. Werden die sogenannten Nahdoderfahrung als so intensiv erlebt, dass sie nachweislich über einen langen Zeitraum zu einer Änderung des Charakters, der Persönlichkeit und dem Wertesystems der Person führen. Tritt der selbe Effekt unter dem Einfluss von Magnetfeldern oder in einem Beschleuniger auf? Ich bezweifle nicht, dass sich Religöse oder wie auch immer geartete Gefühle kurzfristig erzeugen lassen (Geht im Kino ja auch immer gut), doch wenn das Resultat langfristig ein anderes ist, kann man nicht von der gleichen Wirkung sprechen.

        Natürlich ist es am einfachsten Nahtoderfahrungen einfach auszublenden, abzuwerten und als „unwissenschaftlich“ zu deklarieren *lach*. Wie Herr Singer selbst gesagt hat, die Wissenschaft hätte auf dem momentanen Stand wirklich einige Probleme, zu erklären, wie die Wechselwirkung von einem dann nicht mehr durch den Körper produzierten Bewusstseins auf den Körper zu erklären wäre.

        Ich danke euch für den hochwertigen und fundierten Austausch
        Alles gute !
        Andreas

  10. Lieber Andreas

    was du aus meinen wenigen Worten zu Afrika machst finde ich erstaunlich kreativ. Mein Hinweis galt lediglich der Möglichkeit, sich über die Geschichte dieses Landes zu informieren und sich so heute existierende ökonomische und politische Realitäten zu erklären – nicht jedoch der Spekulation darüber ob Afrikaner wie „unmündige Kinder“ seien. Das wäre genau das rassistische Argument das u.a zur Kongokonferenz von 1884 geführt hat.

    Ein Geschichtsbewusstsein fördert die Einsicht, daß eben nicht alles irgendwie Zufall ist, sondern das in der Geschichte bestimmte Notwendigkeiten entstehen, d.h. Bedingungen die den Raum der möglichen Ereignisse einschränken bzw. bestimmte Wahrscheinlichkeitsverteilungen erzeugen. Wenn einem da gleich die konventionellen Erklärungsmöglichkeiten ausgehen, wie du schreibst, dann liegt das meistens an einer Denk- und Lernfaulheit die man uns in der Schule angedeihen lässt. Schau doch noch einmal Ockhams Rasierer genau an anstatt so mir nichts dir nichts die Wiedergeburt als logischste (sic!) Erklärungsmöglichkeit und Karma als Schlüssel zur Freiheit zu apostrophieren.

    Du meinst in deinem letzten Absatz sicherlich Karma eher im Sinne von Tat, Handlung und Verantwortung. Da bist du ganz im Diesseits und brauchst keine Wiedergeburt mehr.

    Beste Grüße, Matthias

    • Du meinst in deinem letzten Absatz sicherlich Karma eher im Sinne von Tat, Handlung und Verantwortung. Da bist du ganz im Diesseits und brauchst keine Wiedergeburt mehr.

      Ich habe Andreas auch in diesem Sinne verstanden. Schön ausgedrückt! Da ist man wirklich ganz ohne Wiedergeburt im Diesseits.

  11. „Was denkst du? Hast du auch eine solche Drohung nötig? Musst du auch durch Angst gezwungen werden, dich ethisch korrekter zu verhalten?“

    Ich denke, daß man dummen Leuten auch mit Angst nicht aus ihrer Patsche helfen kann😉 und so dachte wohl auch Buddha.

    Right view

    „And how is right view the forerunner? One discerns wrong view as wrong view, and right view as right view. This is one’s right view. And what is wrong view? ‚There is nothing given, nothing offered, nothing sacrificed. There is no fruit or result of good or bad actions. There is no this world, no next world, no mother, no father, no spontaneously reborn beings; no brahmans or contemplatives who, faring rightly & practicing rightly, proclaim this world & the next after having directly known & realized it for themselves.‘ This is wrong view…

    „One tries to abandon wrong view & to enter into right view: This is one’s right effort. One is mindful to abandon wrong view & to enter & remain in right view: This is one’s right mindfulness. Thus these three qualities — right view, right effort, & right mindfulness — run & circle around right view.“

    — MN 117

    The consequences of wrong view…

    „In a person of wrong view, wrong resolve comes into being. In a person of wrong resolve, wrong speech. In a person of wrong speech, wrong action. In a person of wrong action, wrong livelihood. In a person of wrong livelihood, wrong effort. In a person of wrong effort, wrong mindfulness. In a person of wrong mindfulness, wrong concentration. In a person of wrong concentration, wrong knowledge. In a person of wrong knowledge, wrong release.

    „This is how from wrongness comes failure, not success.“

    — AN 10.103

    Upps… hab gerade bemerkt das das ein „wie bring ich Dhamma in mein verlorenes Weltliches Leben Blog ist“ verzeiht. Spielt ruhig weiter so lange es geht und es ist ja immer noch die Hoffnung da, daß es mit dem Tod zu ende sein mag.😉 oder man im Schlaraffenland wiedererscheint🙂

    Vielleicht brauchen Menschen verführerische Drogen, um sich an Ethik und Moral zu halten, oder Glauben das was schönes nachkommt wenn sie artig sind.