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Über meinen Nichiren-Buddhismus

Das Catuskoti in der buddhistischen Philosophie

Der buddhistische Philosoph Nagarjuna, der wahrscheinlich im 2. Jahrhundert n. Chr. in Indien zur Welt kam und lebte, entwickelte das Catuskoti in der indischen Philosophie, das Urteilsvierkant oder Tetralemma. Das Tetralemma ist eine Denkfigur, die durch logische Argumentation Widersprüchlichkeiten in Begriffen und Konzepten aufzuweisen in der Lage ist. Es beschreibt eine Argumentation, in der in vier Schritten einem gegebenen Objekt eine Eigenschaft zugesprochen, abgesprochen, zugesprochen und abgesprochen und weder zugesprochen noch abgesprochen wird, wie Satyamnitya schreibt. Satyamnitya denkt einen Schritt weiter. Vielleicht denkt er an die Position eines äußeren Betrachters:

und dann kann man noch mit einbeziehen: nichts von alledem

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Der äußere Betrachter kann z. B. der Mensch sein, der eine Entscheidung zu treffen hat. Die Logik des Catuskoti war ein Weg an indischen Gerichten, um zur Urteilsfindung zu gelangen. Diese Methode der Argumentation hatte zum Ziel, die herkömmliche Ordnung mit ihrem Denken in Gegensatzpaaren nach dem Grundsatz: „Der eine hat Recht und damit hat der andere automatisch Unrecht“ zu überwinden. Diese Argumentation über ein Urteilsvierkant ist in der westlichen Philosophie eher unbekannt. Am besten kann das Denken des Pyrrhon von Elis (1) wohl noch mit einem Tetralemma in Verbindung gebracht werden. (2)

Das Tetralemma ist tief verwurzelt in der buddhistischen Philosophie. So erscheint das System des Catuskoti auch in den Sutras des Palikanons.

Diese spekulativen Ansichten sind vom Erhabenen nicht verkündet worden, sind von ihm verworfen und abgelehnt worden, nämlich:

‚Die Welt ist ewig‘ und
‚die Welt ist nicht ewig‘;
‚die Welt ist endlich‘ und
‚die Welt ist unendlich‘;
‚die Seele ist das gleiche wie der Körper‘ und
‚die Seele ist eine Sache und der Körper eine andere‘; und
‚ein Tathagata existiert nach dem Tode‘ und
‚ein Tathagata existiert nach dem Tode nicht‘ und
’sowohl existiert ein Tathāgata nach dem Tode, als auch existiert er nicht‘ und
‚weder existiert ein Tathāgata nach dem Tode, noch existiert er nicht.‘

Nagarjuna schrieb dazu in seiner mittleren Lehre:

Die dharmas (4) entstehen nicht von selbst, auch nicht aus anderem, nicht aus beidem, nicht grundlos: deshalb wird Nicht-Entstehen erkannt. (5)

Aus diesen Überlegungen entwickelte Nagarjuna seine Lehre von Shunyata.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Pyrrhon_von_Elis#Pyrrhonische_Skepsis
(2) Wolfgang H. Schrader (Hrsg.), Die Spätphilosophie J.G. Fichtes, S. 158
(3) Culamalunkya Sutra, http://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m063z.html
(4) Hier ist „dharma“ im Sinne von Ding oder Sache gemeint.
(5) Nagarjuna, Die mittlere Lehre, Erster Abschnitt, Die Bedingungen, http://www.zeno.org/nid/20009227695

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