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Über meinen Nichiren-Buddhismus

Buddhistische Philosophie und Übersetzungsfehler, Gespräch mit Michael von Brück

3 Kommentare

Sehr schön ist an diesem Gespräch, wie Michael von Brück auf Übersetzungsfehler eingeht, die entstanden sind, als der Buddhismus nach Europa kam und die ersten Schriften übersetzt wurden. Ein Übersetzungsfehler war, Dukkha mit „Leiden“ zu übersetzen. Auch im Nichiren-Buddhismus gibt es solche Übersetzungsfehler. Ein grober Übersetzungsfehler fiel mir auf, als ich anfing, Nichiren-Buddhismus zu praktizieren. Welcher Witzbold hatte Gridhrakuta mit „Adlergipfel“ anstelle von Geiergipfel übersetzt? Auch der Begriff „Mystisches Gesetz“ stieß mir immer mal wieder quer auf. Das klingt nach irgendeinem komischen Esoterikverein. Ein weiteres Beispiel für eine schlechte Übersetzung ist die „Zeremonie in der Luft“. Im Lotos-Sutra steht an dieser Stelle in Sanskrit „akasha“ für „Luft“. Margareta von Borsig übersetzt das mit Äther und schreibt, dass akasha oft als Synonym für Shunyata benutzt wird. (1)

Martin Bradley von der Hokkeko (Laiengemeinschaft der Nichiren Shoshu) schlägt folgende Übersetzungen der zentralen Begriffe vor. Einige Übersetzungen wie die „Zeremonie in der raumlosen Leerheit“ oder „Allheit des Dharma“ finde ich sehr gelungen.

Mystisches Gesetz: Allheit des Dharma, Utterness of the Dharma
Später Tag des Gesetzes: Endgültige Periode des Dharma Shakyamunis, final era of the dharma of Shakyamuni
Die Zehn Welten: Die zehn Dharmabereiche, the ten realms of the dharmas
Die zehn Faktoren: Die zehn Soheiten, the ten such qualities
Weltliche Begierden: Störende Sorgen, troublesome worries
Wohltaten: Verdienstvolle Tugenden, meritorious virtues
Große Konzentration: Ganzheitliches Ablassen von störenden Sorgen zur ungetrübten Schau und Innenschau, Universal Desistance from Troublesome Worries in order to see Clearly
Lotos-Sutra: Sutra der Dharmablume, Dharma Flower Sutra
Theoretische Lehre: Vorübergehendes Tor, temporary gateway
Wesentliche Lehre: Ursprüngliches Tor, original gateway
Zeremonie in der Luft: Zeremonie in der raumlosen Leerheit, Ceremony in the Spaceless Void
Adlergipfel: Geiergeist-Gipfel, Spirit Vulture’s Peak
Priester: Mönch, monk
Hohepriester: Patriarch, patriarch (2)

(1) vgl. Borsig, Lotos-Sutra, S. 221
(2) Martin Bradley, http://www.hokkeko.de/sonstige_texte.htm







3 thoughts on “Buddhistische Philosophie und Übersetzungsfehler, Gespräch mit Michael von Brück

  1. Das Dilemma mit den Übersetzungen lässt sich kaum lösen. Gerade bei buddhistischen Sutren. Von welchem Orginal wurde übersetzt. Das sind manchmal selbst schon Übersetzungen, vom Sanskrit ins chinesische. Es kommt hinzu, dass der historische Buddha selbst nichts schriftliches hinterlassen hat, im Gegensatz zu Nichiren Daischonin.
    Man muss es also „glauben“ oder nicht. Ich finde z.B. „Adlergipfel“ klingt – zumindest für mich – auch ansprechender als „Geierspitze“ und die Worte „Mönch und Priester“ lösen bei mir ganz unterschiedliche Vorstellungen aus

  2. Das Dilemma mit den Übersetzungen lässt sich natürlich nicht lösen. Allein aus dem kulturellen Kontext ergeben sich immense Schwierigkeiten.

    Allerdings ist es nicht ganz egal, ob “Adlergipfel” oder “Geierspitzberg” verwendet wird. Es handelt sich immerhin um einen realen Berg bei der indischen Stadt Rajgir. Ich fände es nicht schön, wenn deutsche Orte im Ausland plötzlich andere Namen bekämen, die Zugspitze also zum Lokomotivberg mutierte. Das ist eine eindeutige Bedeutungsverschiebung. Zug bedeutet in diesem Fall Wind.

    Ich denke nicht, dass etwas ansprechend klingen muss. Wer das braucht, sollte einen guten Roman lesen und sich dazu einen Wein gönnen.

    In der Ortsbezeichnung “Geierspitze” kann auch die Vergänglichkeit des Lebens erahnt werden, wenn man will. Bis in die heutige Zeit haben sich in Indien und Tibet Begräbnisformen erhalten, bei denen Leichen an Geier verfüttert werden.

    • Danke, wieder was dazu gelernt. Das dieser Ort, wo die Zeremonie in der Luft stattgefunden hat (haben soll), in der Realität existiert, wusste ich nicht. Das mit dem ansprechend klingen hängt ja auch von der Kultur ab. Der Adler muss töten, der Geier beseitigt die Reste und führt auch diese wieder dem „Stoffwechsel“ der Natur zu.