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Über meinen Nichiren-Buddhismus

Plädoyer für einen säkularen Buddhismus ohne Reinkarnation

16 Kommentare

Wenn Karma unpersönlich ist (Kein-Ich, Anatta) und sich das Ich bzw. Selbst sich sowieso nicht an das letzte Leben erinnert, da es nicht inhärent existent ist, warum sollte ich dann dann gutes Karma ansammeln? „Ich“ erinnere mich doch sowieso nicht daran, dass „ich“ einmal eine andere Person war und dass meine reinkarnierte Wesenheit ein besseres Leben führen und weniger Leid haben könnte. Auch das Blog Säkularer Buddhismus (Buddhismus für Ungläubige) wirft das Thema auf und stellt ein bemerkenswertes Zitat von Ajahn Buddhadasa vor.

Wenn es hier und jetzt keine Seele, keine Person, kein Selbst, kein atta gibt, wie könnte es dann irgendein „wer“ oder einen „jemand“ geben, der hergeht und wiedergeboren wird? Also ist es unmöglich zu fragen, „wer wird wiedergeboren?“. Deshalb kommt die Wiedergeburt der selben Person, eines „Ich’s“ oder “Du’s“ (und darum geht es bei der Reinkarnation) in Wirklichkeit nicht vor.

Die Gedanken anderer Persönlichkeiten gehen in die gleiche Richtung.

Wenn wir Karma und Wiedergeburt richtig verstehen wollen, dann müssen wir diese im Licht des „Nicht-Ich” betrachten. Beide verkünden ganz deutlich das „Nicht-Ich” und doch ziehen die meisten Menschen dies überhaupt nicht in Betracht, sondern sprechen von „meinem” Karma und von „meiner” Wiedergeburt. Besonders „meine” Wiedergeburt ist absurd. (Ayya Khema, Das Herz der Lotusblume, S. 80)

Aus buddhistischer Sicht nimmt das Leben nach dem Tod keine klar umrissene physische Form an und es gibt weder einen „Geist” noch eine „Seele” oder ein Selbst, die in einer festgelegten, unveränderlichen Struktur weiterleben. (Daisaku Ikeda, Das Buch vom Glück, S. 38)

Auch im Forum Buddhaland gibt einen einen lesenswerten Thread über Reinkarnation, Motivation hinter der Kritik am Konzept der Wiedergeburten.

Dieses Thema scheint anscheinend mehr Menschen als nur mich allein zu beschäftigen. Die Aussagen gehen von „Ich akzeptiere die Wiedergeburtslehre vollständig.“ bis hin zu Aussagen wie „Aus diesem Grund spielt dieses Konzept für mich gar keine Rolle. Ich unterstütze es nicht, bekämpfe es auch nicht.“ anderer User.

Ein User erklärt „Wiedergeburt ist für meinen Geist eine moralische Lehre“. Da hat er wohl nicht so ganz Unrecht. In jedem Land, in jeder Philosophie und zu jeder Zeit braucht man ein Mittel, um seine Kinder zu zwingen, ihren Teller leer zu essen.

Ein anderer User vermutet, dass es sich vielleicht um ein geschicktes Mittel handeln könnte. „Wenn man den Gedanken weiterdenkt braucht es eigentlich keine zukünftigen Wesen, die jetzt existierenden (mich eingeschlossen) reichen auch als Grund für ein sinnvoll genutztes Menschenleben. Aber der vorhandene Egoismus ‚meinen‘ Nachfolgern etwas Gutes zu tun ist dann doch näher als ‚allen Wesen‘.“ und ein weiterer User schreibt „Ich halte die Wiedergeburtslehre für einen hinduistischen Fremdkörper (Relikt) in einem ansonsten überaus stimmigen Gedankengebäude.“ Scharf beobachtet, wie ich finde. So wie Jesus Jude war und kein Christ, war Buddha Hinduist und kein Buddhist.

Wie könnte die Theorie der Reinkarnation also in die eigene Denkweise integriert werden? Ist das überhaupt nötig? Für mich ist das nicht nötig. Ich persönlich mache mir nicht die Mühe. Ich glaube nicht an Reinkarnation. Die Lehre von der Reinkarnation erinnert mich an Bertrand Russells Teekanne.

Old LeafNach Theravada und Vajrayana sind mehrere Leben nötig, um zur Erleuchtung zu gelangen. Nach den Lehren einiger Mahayana Schulen wird dazu nur ein Leben benötigt. Allerdings stellt sich dann die Frage, wie dann die moralische Entwicklung bei sehr einfachen, weniger intelligenten, selbstverliebten oder gefühlskalten Menschen, die es nun leider gibt und die wie alle anderen auch die Buddhanatur besitzen, gefördert werden kann. Glaube an das Sutra, der im Mahayana stark betont wird, reicht meiner Meinung nach nicht aus. Anscheinend waren die buddhistischen Lehrer im Altertum einer ähnlichen Meinung. Für mich stellt die Lehre der Reinkarnation einen Versuch dar, das Verhalten der Lebewesen und auf diese Weise das Leid, das anderen zugefügt wird, auf gesellschaftlicher Ebene zu minimieren.

Unpersönliches Karma reicht ohne die Lehre der Reinkarnation völlig aus. Karma bedeutet „Handlung“. Und wenn man zu dieser ursprünglichen Wortbedeutung zurückkehrt, wird der wahre Kern der Lehre deutlich. Gute Handlungen erzeugen gutes Karma bedeutet in diesem Sinne „gute Handlungen bringen gute Handlungen hervor“. Ganz einfach. Dazu braucht man nicht einmal den Buddhismus bemühen. Jedem moralisch und ethisch fähigem Menschen dürfte das klar sein. Gute Handlungen (sozusagen „Karmas“) sind natürlich für die Wesen in der Umgebung förderlich. Aus diesem Grund betont der Mahayana auch auf so markante Art und Weise das Ideal des Bodhisattvas. Wenn die eigene Erleuchtung im Hier und Jetzt möglich ist, dann aus Mitgefühl für alle fühlenden Wesen.

Aus diesen Überlegungen heraus ist ein Glaube an Reinkarnation völlig unnötig. Stellt sich nur noch die Frage, ob der eigene Charakter weit genug entwickelt ist, um ohne diesen Aberglauben leben zu können.

16 thoughts on “Plädoyer für einen säkularen Buddhismus ohne Reinkarnation

  1. Spannend, dass du die Buddhanatur erwähnst. Normalerweise würde man denken, dass der Theravada einem säkularen Ansatz am nächsten kommt, weil er sich auch direkt auf den Urtext (Tipitaka) bezieht.

    In diesem Punkt (Erleuchtung in einem Leben) scheint der Mahayana tatsächlich deutlich passender für „ungeduldige“ Westler zu sein.

    P.S.: Ich habe auf WP gelesen, dass Nichiren ein Kritiker der damaligen Form von Buddhismus war. Hast du da einen tieferen Einblick und hättest Lust etwas darüber zu schreiben? Ich fände es spannend verschiedene „Reformbewegungen“ und ihre Kritik zu vergleichen.

    P.P.S: Ich muss mal den Blogtitel ändern, so liest sich das merkwürdig, wenn man zitiert wird ^^

  2. Säkularisierung bedeutet eigentlich nur Verweltlichung im Sinne von Lösung von der Religion und hat ihren Ursprung in der Aufklärung. Ich verstehe Säkularisierung dann so, dass die Menschen z. B. nicht mehr glauben, dass eine Hölle oder ein Himmel tatsächlich irgendwo physisch existiert, sondern diese eher als Prinzip annehmen. Es glaubt auch niemand mehr, dass Adam und Eva tatsächlich im Paradies gelebt haben. Das wird als ein archetypisches Symbol aufgefasst. Daher ist es eigentlich egal, auf welche Texte man sich bezieht, da diese immer zum Zweck der Säkularisierung umgedeutet werden.

    Ich finde nicht, dass sich dein Blogtitel seltsam liest. Ich finde ihn sehr prägnant. Das Aussehen einer Sache ist nicht so wichtig wie der Sinn.

    Nichiren war tatsächlich ein Kritiker der damaligen Schulen des japanischen Buddhismus. Ich hätte auch Lust etwas darüber zu schreiben. Allerdings warte ich noch auf ein Buch zu diesem Thema, das ich Ende der Woche bekomme.

  3. Interessante Diskussion. Ich halte es da mit Dana-Nourie.

    Secular Buddhists focus on that which is of this life, this body, this physical experience, without forming beliefs of a metaphysical nature, without speculation into after death, and on the observable. Buddhism actually makes the secular part quite easy, unless you are entrenched in beliefs of reincarnation, hell realms, heaves, and gods, which many of us feel are first, possible mistranslations or misunderstandings, and that you are unwilling to let it go based on the fact you have no way of testing it.

    Klar ist das Wort „säkular“ zuerst im Zusammenhang mit dem Christentum benutzt worden. Das ist eben hier die vorherrschende Religion, die sich unter der Aufklärung veränderte. Man darf „säkular“ aber meiner Meinung nach nicht mit „aufgeklärt“ gleichsetzen. Die Religion in den USA, einer nach den Modellen der Aufklärung geschaffenen Nation, steht in der Tradition der Aufklärung, bringt aber extreme christliche Fundamentalisten hervor.

    Im Buddhismus gibt es Ähnlichkeiten. Frag mal Ole Nydahl nach seinen kruden Theorien über Reinkarnation, Karma und Wiedergeburt. Ein Mann, der in einem aufgeklärten Land aufgewachsen ist und lebt, verbreitet buddhistische Theorien zu diesem Thema, dass mir ganz anders wird.

  4. Ole Nydahl? Alle Mann in Deckung, rette sich wer kann!!!

    Aber im Ernst, ich finde den Gandanken interessant, daß man sich nicht erinnern kann. MIr erschien das immer paradox, da doch Wiedergeburt als Wirkung von Karma immer eine offene Rechnung darstellt. Da ich mich aber nicht daran erinnern kann, eine Zeche nicht gezahlt zu haben, läuft es vom jetzigen Erleben her darauf hinaus, daß ich mich unbegründet einer Siatuation ausgesetzt sehe, die ich nicht in ihrer Gänze kontrollieren kann.

    Das Nicht-Erinnern führt sozusagen in ein Universum das mit mir macht was es will. Das Universum weiss zwar, warum ich etwas erleben muß, ich aber nicht. Da kommt man über kurz oder lang auf die selbe Frage wie Hiob: Warum muß ich Übel erleiden, welchen Grund gibt es dafür? Nur Gott weiss es.

    Viele Grüße, Matthias

    • Du gehst beim Prinzip des Karmas von einer Schuld aus, die du durch eine Zeche oder eine Rechnung darstellst. Das ist eine sehr christliche Rezeption des Karmabegriffs und meiner Meinung nach letztlich auf Übersetzungsfehler in den Texten und Vermischung von christlichen und buddhistische Elementen in der westlichen Auffassung dieses Begriffes zu suchen. In der mir bekannten buddhistischen Rezeption wird es eher wie ein Naturgesetz verstanden.

      Ich glaube nicht, dass das Universum weiß, warum ich was erleben muss. Das Universum hat kein Bewusstsein, daher schafft es sich selbst bewusster Wesen. Ich finde die quantenphysikalischen Ansätze des Bewusstseins im Sinne von Penrose ganz interessant.

      Es gibt eine Antwort auf die Frage, warum das Selbst (das meinst du vielleicht mit „ich“) Übel erleiden oder Leid erfahren muss. Ganz einfach: Es gibt keinen Grund dafür, so wie es auch keinen Gott gibt, der das wissen könnte. Leid ist dem Leben immanent. Immer und überall.

  5. Ich benutze den Begriff „Karma“ hier z.B. mit voller Absicht umgangssprachlich. Ich weiss daß er wahrscheinlich anders gemeint gewesen sein ist. Wahrscheinlich kommt Tat, Handlung, Intention dem Begriff im buddhistischen Sinne näher. Du hast völlig Recht damit zu sagen, es gibt eine christliche Rezeption des Karma-Begriffes.

    Was ich sagen wollte ist folgendes. In Asien wie bei uns wird der Karmabegriff oft naiv dazu verwendet z.B. den sozialen Status zu erklären, oder Krankheit, Reichtum, was auch immer. Im Mahayana ist das so genannte Verdienst ansammeln bekannt, z.B. durch das wiederholen von Mantras. So weit ich weiss, ist es im Theravada verbreitet darauf hinzuweisen, wie verdienstvoll die Spende an die Mönche ist. In allen Fällen geht es darum, daß in irgend einer Weise eine positiv bewertete Tat ‚gutgeschrieben‘ wird. Im Mahayana ist es ganz klar so, daß das zu günstigen Wiedergeburten führen soll. Es werden also Ursachen gesetzt, die zumindest teilweise weit über die physische Spähre hinaus wirksam sein sollen. Das wird dann mit einem Naturgesetz gleichgesetzt und wir haben so schwub-die-wubb ein ‚Naturgesetz‘ das über die uns bekannt Natur hinaus weisst. Ein sehr populäres Buch in dem solche Thesen vertreten werden ist Verena Reichles, „Die Grundgedanken des Buddhismus“. Es ist in der x-ten Auflage im Druck und hundertausendfach im Umlauf. Es wird vielfach von zeitgenössischen Buddhisten als Einführung empfohlen. Reichle vertritt z.B. allen Ernstes die Auffassung man könne durch Meditation eine derartige Körperbeherrschung erlangen, daß einem sogar Gift nichts anhaben könne (S. 87). Diese Form des magischen Denkens ist es in der auch ein Karmabegriff verwendet wird, der aufgeladen ist mit allen möglichen Vorstellungen von wundersamen Dingen, die sein könnten. Natürlich aufgebaut auf wohlformulierte Hypothesen wie etwa diejenige vom Speicherberwußtsein (alaya-vijnana) etc. Man bekommt Erklärungen von guten und schlechten Samen die gesetzt werden, die sich gegenseitig aufwiegen usw. Konsequenterweise wird jeder Zustand in dem man lebt damit zu einem der durch irgendwelche vergangenen Taten begründet ist. Wir wissen aber heute, daß wir in einem Universum leben, indem man einfach durch einen blöden Zufall von einem Auto überfahren werden kann. Der alte volksabergläubische Karmabegriff kommt einer Idee der Theodizee nahe. Letzteres ist einfach die Frage, warum Gott in seiner Güte die Menschen schlimmes erfahren lässt. daher mein Hinweis auf Hiob. Der volksabergläubische Karmabegriff, den auch Reichle verwendet, versucht ähnlich wie die Theodizee-Überlegungen zu erklären, warum Menschen ein bestimmtes Schicksal haben, nur eben nicht über eine allmächtige Fügung, sondern über einen Ursache-Wirkungs-Mechanismus die über diverse Leben reichen soll.

    Ob der Karma-Begriff von einem Buddha so gemeint gewesen ist, kann man letztlich nur mehr oder weniger begründet vermuten. Viele zeitgenössische Buddhisten gehen jedenfalls von einem naiven Karmabegriff aus, bei dem metaphysische Spekulationen angestellt werden, die heute nicht mehr haltbar sind. Das Speicherbewußtsein etwa dürfte durch die heutige Kognitionsforschung ad absurdum geführt worden sein. – Was ja nicht heisst, daß es mal ein intelligenter Versuch war etwas zu erklären. Und was auch nicht heisst, daß dieser Karmabegriff ein einstmals zeitgemäßer und sinnvoller Versuch gewesen ist, Moral unters Volk zu bringen. Nur wer heute noch so denkt, macht sich lächerlich.

    Richard Gombrich erläutert in „What the Buddha Thought“, vor welchem sozialen und ökonomischen Hintergrund das damalige Gesetz von Ursache und Wirkung gesehen werden sollte. In der damaligen agrarischen Welt war der „Samen“ der auf mysteriöse Weise nach einer gewissen Zeit keimt, die Universalmetapher. Heute noch in diesen Metaphern zu denken führt, da hast du völlig Recht, zu einer verfehlten und unbewußt mit christlichen Inhalten aufgeladenen Interpretation.

  6. Pingback: Buddhismuskritik und Erleuchtung | imyohorengekyo

  7. Bin nur ein scheißend-dummer alter Pilz (Selbsteinschätzung). WEM schlägt im Buddha-Dharma „das Gewissen“ (i. S. einer westl.-abendländischen Vorstellung im christlich geprägten Zivilisationskreis und abhängig bezogene Philosophie wie Psychologie wie auch Kriminologie)? Gibt es „im Buddhismus“ überhaupt den Begriff oder das (im landläufigen Sinn nur-seelische) Konzept „Gewissen“? Kann jemand etwas Erhellendes dazu schreiben? Wer wird nach einer Missetat eigentlich bestraft oder steht zur Verurteilung durch seine Mitmenschen oder durch (mehr oder weniger korrumpierte ) legislative Institutionen an — (1) der Container des betreffenden, unheilsame Taten produziert habenden Geistes oder (2) dieser Geist oder (3) die Seele, atma, an-atman oder der „individuelle“ zurzeitige Täter einer Tat oder (4) wer oder was? Bin unwissend und will wissen und lernen. Also dann mal los, liebe Dharma-Experten…

    • Eine gute Frage. Natürlich gibt es in jeder Kultur eine psychische Instanz, die als Gewissen funktioniert. Allerdings ist das Konstrukt „Gewissen“ eine typisch abendländische Schöpfung. Auch die Bibel kennt das Gewissen nicht. Das Gewissen in der uns heute bekannten Form wurde wohl zuerst von Thomas von Aquin behandelt, wenn man dem Wikipedia-Artikel Glauben schenken darf. Unsere heutige Vorstellung von Gewissen geht maßgeblich auf Martin Luther zurück.

      In der buddhistischen Philosophie wird das Gewissen durch die fünf Skandhas gebildet bzw. manifestiert. Das ist aber unmöglich in ein paar Sätzen oder in einem kurzen Artikel zu erklären. Wenn du dich da mal einlesen willst, empfehle ich dir den Aufsatz Ohne Gewissen und doch nicht gewissenlos – Auf der Suche nach einem abendländischen Begriff im Buddhismus (PDF). Der Autor Michael Gerhard ist Religionswissenschaftler der Uni Mainz. Er scheint also zu wissen, wovon er redet. Ich habe den Aufsatz nur kurz überflogen, da ich ihn sehr schwierig fand. Das ist nichts für Samstag Nacht.😉 Ich werde ihn mir die nächsten Tage mal genauer durchlesen.

  8. Hallo Ernesto. Gute Fragen. Das hat mich auch schon lange interessiert, WEM das Gewissen schlägt. Ich weiss gar nicht, ob es in den verschiedenen Buddhismen das Konzept des „Gewissens“ gibt. Ich kann mich nicht entsinnen, davon mal gehört oder gelesen zu haben. Aber ehrlich gesagt, bezüglich meiner Selbsteinschätzung schließe ich mich dir an, daher kann es sein, daß ich einfach keinen blassen Schimmer habe.

    Hier übrigens herrscht gerade eine heftige Diskussion zum Thema Karma => http://forum.tibet.de/index.php/topic,8469.45.html

    • Ziemlich üble Diskussion im Tibetforum. In meinen Augen mit einigem Unsinn durchsetzt… Dort tauschst du dich anscheinend mit Menschen aus, die tatsächlich auch an Wiedergeburten in den Zehn Reichen (Zehn Welten) glauben. Eine völlig abstruse Überzeugung, denke ich.

      Die meisten Mahayana-Schulen lehnen diese Sichtweise ab und einige Theravada-Schulen schlossen sich dieser Ablehnung schon vor Jahrzehnten an (z. B. Ajahn Buddhadasa, Ajahn Chah). Die Mahayana- und eben erwähnten Theravada-Schulen lehnen auch die Reinkarnationslehre des Buddhismus im Sinne eines tatsächlichen Vor- und Nachlebens ab. Der Abhidama wird von diesen Schulen übrigens auch abgelehnt. Der Abhidamma ist nur zusammengestückelter Kram von irgendwelchen Wichtigtuern. Lustigerweise wird in dem Thread auch Nagarjuna erwähnt. Hat wohl keiner gelesen. Gerade die Denkweise des Abhidamma (Skandhas und so weiter) lehnt er als unheilsam ab, weil es zu radikal einseitig ist (Dinge als zusammengesetzt zu betrachten).

      Eigentlich fielen mir in dem Thread im Tibetforum nur zwei Menschen auf, die das nötige Wissen und auch was Anständiges zu sagen hatten.

      • Mir ist der Hut gegangen, weil da eine Argumentation aufgemacht wurde, die darauf hinauslief die Shoa mit Karma zu rechtfertigten – in der Art, das Opfer ist selber schuld. Da ist eine Grenze überschritten bei mir. Es gibt Dummheit und es gibt…. ja, ich weiss nicht wie ich das nennen soll.

      • Sie zitieren den Buddha mit der Aussage, dass ein Unerleuchteter das Karma nicht verstehen kann und dann versuchen sies trotzdem. Sehr lustig.

        Sie diskutieren über den Holocaust und den 2. Weltkrieg und lassen dabei die gebotene Sensibilität missen. Sehr traurig.

        P.S.: Üblicherweise hat es keinen Sinn mit Menschen über „Glauben“ zu diskutieren. Das ist auch der Hauptgrund weshalb er so gefährlich ist.

  9. Pingback: Säkularer Buddhismus, Thanissaro Bhikkhu und die Reinkarnation | imyohorengekyo

  10. Ich hab’s zwar schon an anderer Stelle verlinkt, aber falls es jemanden wirklich interessiert, das es mit Selbst und Nicht-Selbst auf sich hat, kann ich diese hervorragende Lehrredensammlung zum Theme empfehlen: Formen von Selbst und Nicht-Selbst: Die buddhistischen Lehren über Anatta.
    Was die Behauptung betrifft, Ajahn Chah habe sich von den Lehren Buddhas entfernt, ist natürlich purer Unsinn. Liegt vielleicht daran, daß er zumeist für Schüler gesprochen hat, die die Basics schon intus hatten und bereit dafür waren. Was Buddhadasa betrifft, so sagt ja sein Name schon alles aus Dasa (Sklave) und bekanntlich dürfen Sklaven nicht ordinieren. Auch wenn seine formalen Lehren oftmals gut sind, ist daß was aus seinem Sklavendasein entsprungen ist, völliger Unsinn und hat ihm außer Popularität unter der breiten Masse kaum Verdienste gebracht.