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Über meinen Nichiren-Buddhismus

Gosho „Über den Schatzturm“

Kyochi Myogo

Kyochi Myogo

In den letzten Tagen habe ich die Gosho “Über den Schatzturm” gelesen. Dieser Brief Nichirens ist sehr ausdrucksstark und anschaulich. Er schrieb die Gosho “Über den Schatzturm” im März 1272 und antwortete darin auf die Frage von Abutsu-bo, was die Bedeutung des Juwelenstupas sei, der im elften Kapitel des Lotossutras erscheint. (1)(2)

Abutsu-bo, ein Einwohner der Provinz Sado mit Namen Endo Tamemori und ehemaliger Samurai, konvertierte mit seiner Frau Sennichi, einer Laiennonne der Schule des Reinen Landes, während Nichirens Verbannung auf Sado nach einer Debabatte mit Nichiren von der Schule des Reinen Landes zu den Lehren des Daishonin. Nachdem er 1279 starb, wurde seine Asche auf Minobu beigesetzt. (3) Abutso-bo war nicht so ganz klar, was die Beutung des Juwelenstupas ist. Die Beschreibung des Juwelenstupas ist allerdings auch umwerfend blumig. (4)

Mit fünftausend Geländern, mit Tausenden von Zehntausenden von Nischen war er geziert und mit unzähligen Bannern und Flaggen. Juwelengirlanden hingen herunter, und Myriaden von Kotis von Juwelenglöckchen waren an ihm befestigt. In alle vier Richtungen strömte von ihm der Duft von Tamalapatra (5) und Sandelholz.

Am Anfang der Gosho geht Nichiren auf T’ien-t’ai (Chih-I) ein, der in der Hokke Mongu schreibt, dass das Erscheinen des Juwelenstupas, in der Gosho auch als Schatzturm übersetzt, die theoretische Lehre beweist und die wesentliche Lehre einleitet. Der geschlossene Juwelenstupa symbolisiert die theoretische Lehre und der geöffnete Juwelenstupa die wesentliche Lehre. Nichiren schreibt auch, das er die Prinzipien von Kyo und und Chi symbolisiere. Die letztendliche Wahrheit wird von Taho-Buddha und die subjektive Weisheit des Einzelnen, diese Wahrheit zu erfassen, durch Shakyamuni-Buddha repräsentiert. Dieser Moment der Erleuchtung, wenn das Individuum eins wird mit der universellen Wahrheit, wird durch die beiden nebeneinander sitzenden Buddhas verkörpert. (6) Wenn durch die buddhistische Praxis eine Einheit von eigenem Leben und der letztendlichen Wahrheit erscheint, bedeutet dies, dass diese (die letztendliche Wahrheit und die eigene Weisheit) miteinander verschmelzen.

Sehr prägnant und eindrucksvoll ist die Erklärung, die nun in der Gosho folgt. Nichiren schreibt, dass das Erscheinen des Juwelenstupas zeigt, dass die drei Gruppen von Shakyamunis Schülern nur durch das Hören des Lotos-Sutras und durch das Erkennen des Schatzturmes in ihrem eigenen Leben zur Erleuchtung gelangten. Mit den drei Gruppen sind Schüler der überragenden, der fortgeschrittenen und der geringeren Kapazität in der Auffassungsgabe gemeint. (7) Nichiren führt weiter aus, das seine Schüler, das Gleiche tun. Wir hören das Lotos-Sutra und erkennen den Schatzturm unserem ihrem eigenen Leben. Aber was heißt es denn, den Schatzturm in seinem eigenen Leben zu erkennen? Nichiren gibt die Antwort. (8)

Deshalb sind diejenigen, die Nam-Myoho-Renge-Kyo chanten, unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Stellung selber der Schatzturm und damit selbst Taho-Buddha. Es gibt keinen Schatzturm, außer Myoho-Renge-Kyo.

Dann erklärt Nichiren, dass der Körper von Abutsu-bo aus den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Wind und Ku besteht. Diese entsprechen den Zuständen fest, flüssig, energetisch und gasförmig. Ku ist ein Zustand der Möglichkeit oder der Verborgenheit. Meiner Meinung nach will Nichiren damit nicht nur sagen, dass Abutsu-bo ein Mikrokosmos im Universum darstellt, sondern auch vollkommen ausgestattet ist, da diese fünf Elemente den fünf Silben von Myoho-Renge-Kyo entsprechen. Nichiren sagt, Abutsu-bo ist der Schatzturm selbst und der Schatzturm ist Abutsu-bo. Oder anders ausgedrückt: Du, werter Leser, bist der Schatzturm und der Schatzturm ist dein Selbst. (9) Anschließend beschreibt Nichiren die sieben Arten von Edelsteinen (10), die den Schatzturm, also dein Selbst, schmücken. (11)

  1. die Wahre (im Sinne von richtige) Lehre hören
  2. sie glauben
  3. das Gebot achten (ist mir nicht klar, was das bedeutet)
  4. innere Stabilität zu erlangen (wunderbar!)
  5. konsequent zu praktizieren
  6. durch Widmung (an das Gesetz des Lotos-Sutras, denke ich) seinen Egoismus ablegen
  7. immer die Selbsterkenntnis zu suchen

Insgesamt betrachtet ist die Gosho „Über den Schatzturm“ von Nichiren eine der Goshos, die mich in der Tiefe ansprechen und die ich sehr gerne lese.

(1) On the Treasure Tower, http://www.sgilibrary.org/view.php?page=299
(2) Über den Schatzturm, DG 1, S. 61
(3) Abutsu-bo, http://www.sgilibrary.org/search_dict.php?id=8
(4) Borsig, Lotos-Sutra, S. 221
(5) Indisches Lorbeerblatt, http://de.wikipedia.org/wiki/Indisches_Lorbeerblatt; nach anderen Quellen Echter Lorbeer, http://de.wikipedia.org/wiki/Laurus_nobilis
(6) Earthly Desires Are Enlightenment, http://www.sgilibrary.org/view.php?page=317
(7) Kaisan Ken Ichi, http://www.nonin.de/seiten/prinzip4.htm#kaisan
(8) Über den Schatzturm, DG 1, S. 61
(9) Ebenda
(10) Borsig, Lotos-Sutra, S. 221
(11) Über den Schatzturm, DG 1, S. 62

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