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Über meinen Nichiren-Buddhismus


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Tschüss Gongyo, hallo Daimoku

Leiden Sie was es zu leiden gibt, geniessen Sie was es zu geniessen gibt. Betrachten Sie sowohl Leid als auch Freude als Tatsachen des Lebens und chanten Sie immer weiter Nam-Myoho-Renge-Kyo, was auch immer geschieht.

Nichiren, Gosho “Glück in dieser Welt”

Die letzten Monate habe ich das Gongyo in der alten Länge praktiziert. Damit ist nun wieder Schluss. Ich konzentriere mich nun ganz auf das Daimoku.1 Durch Daimoku kann ich den “einen Sitz in der Mitte meines Lebens einzunehmen”, wie Jack Kornfield sagen würde. Das Chanten von Daimoku lässt mich sicherer in mir ruhen und dem Leben und den weltlichen Dingen gelassener begegnen. Da es in meinen Augen kein “Richtig” oder “Falsch” gibt, kann ich mein Gongyo auf diese Art oder jene Art praktizieren. Wichtig ist für mich nur der Punkt, dass es sich um das 2. und das 16. Kapitel des Lotos-Sutras handelt, wie es von Nichiren betont wurde.

Ich lese nun wieder die Liturgie der SGI, die aus einem Auszug des Prosateils des 2. Kapitels (Hoben Pon, Geschicktes Hilfsmittel) des Lotos-Sutras und dem Versteils (Jigage) des 16. Kapitels (Nyorai Juryo Hon, Die Lebensdauer des Tathagata) besteht. Allerdings beginne ich morgens und abends mit dem Chanten von 40 Minuten Daimoku am Anfang. Erst nach diesem Daimoku rezitiere ich die kurzen Ausschnitte aus dem Lotos-Sutra. Nach der Rezitation des Sutras hänge ich kein Daimoku mehr an, sondern gehe gleich in die stillen Gebete über.

Ich würde das Daimoku gerne auf eine Stunde am Morgen und am Abend ausdehnen. Die nächsten Wochen im Oktober werde ich bei jeweils 40 Minuten morgens und abends bleiben. Im November werde ich dann 50 Minuten morgens und abends Daimoku chanten. Ein Problem dabei ist meine Stimme. Nach einer Weile verliere ich die Konzentration und meine Stimme wird lauter und unkontrollierter. Das strengt meine Stimmbänder zu sehr an. Das Chanten klappt sehr viel besser, wenn ich konzentriert bin und meine Stimme leise ist. Zur Zeit fällt es mir auch schwerer, das “Benennen” (Labelling, Etikettieren, wie im Vipassana) durchzuführen, um meine Konzentration zurückzuführen, wenn meine Gedanken abschweifen.


  1. Daimoku: wörtlich “Großer Titel” 


Die Körperhaltung beim Gongyo oder wie sitze ich?

Vitruvian Man 2.0Auch wenn Du auf einem Stuhl sitzt, solltest Du eine möglichst aufrechte Körperhaltung einnehmen. Wenn du ständig auf dem Stuhl hin und her rutschst oder die Beine übereinander schlägst, erzeugt das Nervosität und Nachlässigkeit. Sei locker, aber nicht zu lässig. Die Körperhaltung beeinflusst die Atmung und damit auch das Chanten und dein Wohlbefinden. Deine Körperhaltung hat direkte Auswirkungen auf deine Befindlichkeit, ob du willst oder nicht.

8 Tipps für das Sitzen auf einem Stuhl:

  1. Becken beim Sitzen möglichst nach vorn kippen (geht an der Kante der Sitzfläche am Besten).
  2. Brustkorb in die Höhe.
  3. Kopf senkrecht nach oben, Halswirbelsäule strecken.
  4. Tief in den Bauch atmen.
  5. Aktives Sitzen (frei mit geradem Rücken, ohne anzulehnen)
  6. Beine etwas gespreizt auf den Boden stellen (Abstand der Knie 30 cm).
  7. Immer mit geradem Rücken sitzen, nie seitlich verdreht.
  8. Schultern und Arme nicht hochziehen, sondern direkt am Brustkorb locker liegen lassen.

Natürlich muss man nicht unbedingt einen Stuhl für die Praxis benutzen. Ich persönlich halte nicht viel davon, wenn es nicht unbedingt aus medizinischen Gründen erforderlich ist. Ich sitze schon den ganzen Tag auf einem Stuhl. Da freue ich mich richtig darauf, mal auf eine andere Art und Weise sitzen zu dürfen. Folgende Sitzhaltungen sind auch möglich:

  • 1/4-Lotus (linker Fuß auf rechtem Unterschenkel und vice versa)
  • 1/2-Lotus (linker Fuß auf rechtem Oberschenkel und vice versa)
  • Voller Lotus (beide Füße auf den Oberschenkeln des anderen Beins)
  • Burmesisch (linker Fuß vor dem rechten Unterschenkel und vice versa)
  • Schneidersitz (Knie auf den Füßen)
  • Seiza (kniend ohne Hilfmittel, kniend mit Kissen, kniend mit Bänkchen)

Ich sitze in der Regel im 1/4-Lotus auf meinem Zafu, das auf einem Zabuton liegt. Wenn die Beine schmerzen oder ich mich aus anderen Gründen nicht wohl fühle, sitze ich nur Burmesisch oder im Seiza. Dabei benutze ich mein Zafu als Hilfsmittel.


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Keine Räucherstäbchen beim Gongyo

Little BuddhaIch habe seit einiger Zeit ein Laster weniger. Seit mehreren Monaten rauche ich nicht mehr. Das hat viele Vorteile. Wieder richtig Gerüche wahrnehmen und auch wieder einige Stockwerke hochkommen, ohne gleich außer Atem zu sein, ist super! Besonders mein wieder hergestellter Geruchssinn gefällt mir. Ich liebe den Geruch von frisch gemahlenem Pfeffer beim Essen und von frisch gemahlenem Espresso am Morgen.

Eine Sache gefällt mir allerdings überhaupt nicht. Ich vertrage keine Räucherstäbchen mehr. Ich reagiere empfindlich auf jede Art von Räucherstäbchen, egal ob mit Holzträger oder ohne. Selbst von meinen liebsten Räucherstäbchen, die ohne Holz abbrennen, kratzt mein Hals und ich bekomme etwas Hustenreiz. Eigentlich schade, ich liebe Räucherstäbchen. Zur Zeit löse ich das Problem so, dass ich vor meinem Gongyo räuchere und mich nicht in der Nähe aufhalte. Das Abbrennen von Räucherstäbchen werde ich in Zukunft wohl ganz unterlassen.

Eine Kerze am Butsudan muss reichen. Das passt zu meiner Einstellung, das überflüssige Brimborium um die tägliche Praxis zurück zu nehmen und mich auf die wirklich wichtigen Elemente meines Buddhismus zu konzentrieren: Vertrauen in die Lehre, Ausübung im Leben und buddhistisches Studium.


Ein Kommentar

Das Lotos-Sutra ist ein Text, der heilen kann

In einem Kommentar zu meinem Artikel Buddhismuskritik und Erleuchtung wurde ich gefragt, was das Lesen der Sutras bringt.

Wer gerne Sutra lesen möchte, der soll, ob das weiter hilft ?

Meine Antwort auf diesen Teil des Kommentars fiel etwas dürftig aus. Mir fällt es schwer, meine Empfindungen beim Rezitieren des Lotos-Sutras in Worte zu fassen. Mir war unbekannt, dass das Lesen von Texten auch therapeutisch eingesetzt werden kann. Mystik aktuell beschreibt im Artikel Bibliotherapie: Worte, die heilen können die Poesietherapie. Ein lesenswerter Artikel, den ich sehr empfehlen kann.

Die Rezitation der Sutras hat ebenfalls eine aktive, dynamische Dimension. Die inhaltliche Bedeutung der Sutras hat bei der Rezitation keine allzu wesentliche Funktion. Es ist dagegen vor allem die Schulung von Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen, die der Rezitierende lernt. Das Ergebnis ist frappierend. Denn beim Rezitieren wird die tiefe innere Verbindung erkannt, die innere und äußere Welt eins werden lässt.

LotosknospenDiese Worte beschreiben ganz gut meine Art zu denken und zu fühlen, wenn ich beim Gongyo das Lotos-Sutra rezitiere. Die inhaltliche Bedeutung des Lotos-Sutras hat in der Tat keine allzu wesentliche Funktion beim Rezitieren. Durch jahrelanges Wiederholen der gleichen Textstellen weiß ich natürlich, was die Stelle, an der ich mich gerade befinde, bedeutet. Beim Gongyo rezitiere ich in japanischer Aussprache chinesische Schriftzeichen. Wichtig ist das, was dabei “am Rande” passiert.

Ich bemühe mich, in gleichbleibend rhythmischer und deutlicher Aussprache bei gleichbleibender Geschwindigkeit (nicht zu schnell) zu rezitieren. Dabei muss ich mich auch nach einigen Jahren Übung noch konzentrieren, da ich nichts von “dahingenuschelten” Rezitationen halte. Im Rahmen dieser Konzentration richtet sich meine Aufmerksamkeit auf meinen Geist und meinen Körper. Wie fühle ich mich heute? Wie nervös bin ich heute? Wie müde bin ich heute? Wie eilig habe ich es heute? Wie fühlt sich mein Körper heute? Schmerzen meine Beine (ich sitze Seiza oder 1/4 Lotossitz) heute? Wie ist meine Haltung heute? Da gibt es eine ganze Palette an Gefühlen, die ich dabei mit Aufmerksamkeit betrachten kann.

Auf diese Weise entsteht Einfühlungsvermögen für mich und meine Situation. Das führt bei mir zu genau den Reaktionen, die im Artikel beschrieben werden. Durch diese Art Selbsterkenntnis öffnen sich tatsächlich andere Lösungen und Denkweisen, die “plötzlich” in meinem Geist entstehen. Tatsächlich kann ich damit fast jede Art von Angst bewältigen und habe damit auch schon Krisen bewältigt.


Ein Kommentar

Praxis etwas verlängert

Langsam komme ich wieder in Übung, den Prosateil des Juryo-Kapitels (16. Kapitel) zu lesen. Es macht Spaß und ich lasse mir Zeit, um mich zu konzentrieren. Daher habe ich meine Praxis um zehn Minuten verlängert. Mein Gongyo dauert am Morgen und am Abend jetzt jeweils 40 Minuten. Wenn ich verschlafen habe, lasse ich das Gongyo am Morgen wie gewohnt ausfallen. Das ist mir lieber, als eilig und nachlässig zu praktizieren.

Die SGI betont in ihrer Liturgie das Jigage im 16. Kapitel des Lotos-Sutras und hat den Prosateil wegfallen lassen. Das kann ich irgendwie verstehen. In der deutschen Übersetzung ist das Jigage auch wirklich atemberaubend und beeindruckend. (1)

In the “Record of the Orally Transmitted Teachings,” Nichiren Daishonin says:

The ji (self) of ji ga toku burrai (since I attained Buddhahood) represents the beginning, while shin (body) of soku joju busshin (quickly acquire the body of a Buddha) represents the end.

In other words, the jigage from beginning to end elucidates the self [because ji plus shin form the word oneself]. (Gosho Zenshu, p. 759)

In other words, the Daishonin teaches that the jigage from beginning to end explains the Buddha’s self or life.

Nichiren Daishonin indicates that the body of the jigage in its entirety, coming between the words ji and shin, signifies the actions and conduct of oneself. Thus the “Record of the Orally Transmitted Teachings” says, “The jigage section represents the ‘body that freely receives and employs,’ or the ‘body of limitless joy”‘ (Gosho Zenshu, p. 759).

The body or self that “freely receives and employs” represents realizing that the entire universe is in fact oneself and freely receiving and employing the power of the Mystic Law that is the wellspring of universal life. In other words, the Daishonin here indicates that the jigage expresses the state of life of absolute freedom of the original Buddha himself. (2)

Leider konnte ich die zitierten Stellen aus den Ongi Kuden Nichirens in der Online-Version nicht finden, da dort nur Ausschnitte zur Verfügung gestellt werden. Nichiren hat seinerzeit seinen Schülern die regelmäßige Rezitation der Prosa-Abschnitte des Hoben- und Juryo-Kapitels empfohlen. (3)

Wie ich schon sagte, kein Kapitel des Lotos-Sutra ist zu vernachlässigen, unter den gesamten 28 Kapiteln sind das Hoben Kapitel und das Juryo-Kapitel besonders herausragend. Die verbleibenden Kapitel sind alle in einem gewissen Sinne die Zweige und Blätter von diesen beiden Kapiteln. Daher empfehle ich Ihnen für Ihre regelmäßige Rezitation, dass Sie das Lesen der Prosa-Abschnitte des Hoben- und Juryo-Kapitels praktizieren.

Was kann ich aus diesen unterschiedlichen Quellen lernen? Es gibt kein knallhartes “Richtig” oder “Falsch”. Ich kann auf diese Art oder auf eine andere Art rezitieren. Wichtig ist für mich nur die Tatsache, dass es sich um das 2. und das 16. Kapitel des Lotos-Sutras handelt.

(1) Du bist Buddha, Gongyo, http://du-bist-buddha.de/?page_id=487
(2) Lectures on the Hoben and Juryo Chapters of the Lotus Sutra by SGI President Daisaku Ikeda, http://nichiren.info/buddhism/library/SokaGakkai/Study/LectLS/Lectur36.htm
(3) Nichiren, Recitation of the Hoben and Juryo Chapters, http://nichiren.info/gosho/RecitationHobenJuryo.htm

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